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Die Wohnzimmerkrieger

Bæjarins Besta

Die Trolle Sagnfræðingur und Svikahetja lagen auf dem von der Sonne gewärmten Stein inmitten des Blumenteppichs von Hornstrandir und kamen angesichts der farbenfrohen Blumenarten, welche friedlich sich nebeneinander entwickelten, zu dem Entschluss, sich damit etwas die Zeit zu vertreiben, Annahmen anhand von Gegenüberstellungen einer Überprüfung zu unterziehen.

Sagnfræðingur: „Es gibt nicht nur eine Frontlinie, es sind stets deren sechs, denn die zwei Blöcke an Nationen, die gegeneinander antreten, bilden nur die horizontale Sicht ab. Die alle Nationen umfassende vertikale Sicht benennt allerdings zusätzlich fünf weitere Frontlinien.“

Svikahetja: „Als da wären?“

Sagnfræðingur: „Nun, einmal jener Teil, welcher bereit ist, sich mit Waffen auf das Gebiet einer anderen  Nation in kriegerischer Absicht zu begeben und diese dort einsetzt, dann jener Teil, der nur dazu bereit ist, Waffen innerhalb  der eigenen Nation gegen einen Eindringling aus einer anderen Nation  einzusetzen, und schließlich jener Teil, der aus grundsätzlichen Erwägungen es strikt ablehnt, einen anderen Menschen zu töten.“

Svikahetja: „Ich zähle bisher nur drei weitere Frontlinien.“

Sagnfræðingur: „Nun, dies waren nur jene Frontlinien, welche sich hinsichtlich des persönlichen Gebrauchs von Waffen unterscheiden. Es wären noch jene hinzuzuzählen, welche zwar persönlich keine Waffe gebrauchen, allerdings dieses von anderen Menschen erwarten, beziehungsweise fordern.“

Svikahetja: „Demnach die lautstarke Mehrheit.“

Sagnfræðingur: „Sie werden die Wohnzimmerkrieger genannt, also jene, welche sich in dem Wahn befinden, dass für andere zu gelten habe, was für sie selbst keine Gültigkeit haben dürfe. Gibt es dafür nicht längst einen exakten Begriff?”

Svikahetja: „Nun, diese gehen von dem Grundsatz aus, dass Menschenwürde nicht nur teilbar sei, sondern teilbar sein müsse. Der Begriff hierfür ist auch längst hinlänglich bekannt. Im Englischen gibt es dafür das Wort Nimby, eine Abkürzung für die Entscheidung ‚Not in my backyard‘, anderenorts das Sankt Florian Prinzip genannt: ‚Heiliger Sankt Florian, verschon’ mein Haus, zünd’ and’re an!‘“.  

Sagnfræðingur: „André Beaufre, Général d’armée, stellte in seinem Buch ‚Revolutionierung des Kriegsbildes‘ fest, dass alle Aspekte der bürgerlichen Gesellschaft, die Sozialordnung, Wirtschaft, Informationswesen, etc. zu Teilen des Schlachtfeldes geworden seien.“

Svikahetja: „Gilt es nicht, Menschen in ihrer Not beizustehen? Dies nicht zu tun, wäre doch unterlassene Hilfeleistung, oder etwa nicht?“

Sagnfræðingur: „Offensichtlich hatte es sich bei dem General noch nicht herumgesprochen, dass sich die Form der kriegerischen Handlungen in den letzten zwei Jahrtausenden etwas geändert hat.“

Svikahetja: „Als da wäre?

Sagnfræðingur: „Falls ich richtig informiert bin, gab es einst zwei Formen. In der einen Form überfielen Bewaffnete Unbewaffnete, ermordeten, beraubten, vergewaltigten und versklavten diese, in der anderen Form standen sich die bewaffneten Beherrschten unter einem Herrscher sich den bewaffneten Beherrschten eines anderen Herrschers gegenüber und beschränkten sich darauf, sich gegenseitig in einem Event zu ermorden, welcher Schlacht genannt. Wobei in den Geschichtsbüchern festzustellen wäre, dass dies unabhängig von der Herrschaftsform geschah, also sowohl von so genannten Verfassungsstaaten praktiziert wurde, welche laut dem Stagirit dem Gemeinwohl zugewandt seien, demnach den Herrschaftsformen Königtum, Politie und Aristokratie,  als auch von deren Ableitungen, welche dem Eigennutz dienen, also der Oligarchie, Demokratie und Tyrannis.“

Svikahetja: „Nun, wie wir wissen, gibt es heute nur noch jene Herrschaftsformen, in welchen  entweder eine Minderheit aus einem Herrscher und seiner Entourage herrscht, oder eine Masse ihre politischen Entschlüsse als Mehrheit, demnach durch Gewalt durchsetzt. Und?“

Sagnfræðingur: „Verhält es sich nunmehr seit Jahrzehnten nicht so, dass die Form, in welcher sich die bewaffneten Beherrschten unter einem Herrscher sich den bewaffneten Beherrschten eines anderen Herrschers gegenüberstanden, sich dabei darauf beschränkten, sich gegenseitig in einem Event zu ermorden, längst nicht mehr stattfindet? Wogegen ja nichts einzuwenden wäre, da bei dieser Form ja nur Bewaffnete gegen Bewaffnete antreten, kein Unbewaffneter dabei zu Schaden kommt, einmal davon abgesehen, dass die daran teilnehmenden Beherrschten zu dieser Tat entweder gezwungen wurden, oder aus Überzeugung daran teilnahmen.“

Svikahetja: „Nun, wir befinden uns nunmehr im Zeitalter der chirurgischen Schläge, sind demnach wieder zu der Form des sauberen Kriegs zurückgekehrt.“

Sagnfræðingur: „Wie wir wissen, dürfte dies einmal als die dreisteste Lüge der so genannten wissenschaftsbasierten Informationsgesellschaften in die Analen eingehen.  Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass die Anzahl der unbewaffneten Kinder, Frauen und Männer, welche in diesen so genannten sauberen Kriegen ermordet wurden, mittlerweile Abermillionen Menschen zählen.“  

Svikahetja: „Nun, dies sind mittlerweile keine zivilen Opfer mehr, sondern nur noch  Kollateralschäden.“

Sagnfræðingur: „Falls die Teilnahme an einem Krieg, sei dies nun durch Truppen oder Lieferung von Waffen, die einzige Ultima Ratio bliebe, um sich nicht des Tatbestands der unterlassenen Hilfeleistung schuldig zu machen, müssten sich demnach dort unten nur Feiglinge und Mitleidlose tummeln, wie etwa Mohandas Karamchand Gandhi. Wie willst du dir dann aber erklären, dass dieser Gemeinschaft dort unten trotz des Umstandes, über keinerlei bewaffnete Streitkräfte zu verfügen, es dennoch gelang, fremde Besatzer von ihrem Land zu vertreiben?“

Svikahetja: „Wie meinen?“

Sagnfræðingur: „Verhält es sich nicht so, dass fremde Truppen einst dieses Land nicht verlassen wollten, obschon deren bekanntgegebener Grund für die Invasion, dieses Land vor Feinden schützen zu müssen, schon längst nicht mehr vorhanden war, da der Feind bedingungslos kapituliert hatte?“

Svikahetja: „Soweit mir bekannt, handelten sie mit dem Treibholz, welches die Treibholzbucht nicht mehr verlassen wollte, einen Vertrag aus, welcher die Besatzung für eine bestimmte Zeitspanne legalisierte, erhielten im Gegenzug dafür die Mitgliedschaft in  der NATO, ohne jedoch jemals hierfür eigene Truppen aufstellen zu müssen, als Sahnehäubchen obendrauf sollen sie sich auch noch den   Bau des internationalen Flughafen Keflavík ausbedungen haben.“

Sagnfræðingur: „Waren dies nicht die Nachfahren jener Menschen, von denen erzählt wird, sie hätten einst andere Länder als Bewaffnete überfallen, dort in der Regel Unbewaffnete ermordet, beraubt, vergewaltigt und versklavt?“

Svikahetja: „So ist es. Ihr Verstand hatte sich weiter entwickelt seit jener Zeit.“

Sagnfræðingur: „Demnach ist es folglich durchaus möglich, dass der Mensch etwas durch Bildung dazulerne?“

Svikahetja: „Durchaus. Kein Politiker dort unten käme auf die skurrile Idee, Streitkräfte aufzustellen oder Waffen zu exportieren. Ein solcher würde – um es mit den Worten von Guðbergur Bergsson auszudrücken – konfirmiert und zu den Schwachsinnigen gezählt werden. Es war davon zu hören, dass einmal einer versucht haben soll, heimlich die Küstenwache mit Maschinenpistolen auszustatten. Als er dabei ertappt wurde, flüchtete er sich in die steile Behauptung, es sei ein Geschenk aus Norwegen gewesen, was der edle Spender prompt als Lüge entlarvte. Die Staatsbürger zeigten dem Dummkopf exemplarisch auf, worin der Unterschied zwischen Politie und Demokratie bestehe. Die Aufgabenteilung der Herrschaftsform Politie, welche keineswegs die Herrschaftsform der Mehrheit, sondern die Herrschaftsform von Arete, führte umgehend dazu, dass die Waffen wieder zurück geschickt wurden. Allerdings verhinderte diese Aufgabenteilung die Möglichkeit, dass sich kriegerisches Gehabe auf Worte beschränken könne, um danach Gefallene als Helden zu ehren, ohne sich an deren Tod jemals auch nur im Geringsten schuldig zu fühlen.“

Sagnfræðingur: „Nun, sie trösten sich über diesen Verlust mit dem Lesen von Sagen und Gedichten hinweg, da in diesen mehr Leben aufzufinden als an jedem Kriegerdenkmal.“.

Svikahetja: „Wie aber könnte ermöglicht werden, dass auch die Wohnzimmerkrieger bei den anderen Nationen diese Evolution durchlaufen?“

Sagnfræðingur: „Nur durch schmecken. Die Literatur bietet daher schon seit tausend Jahren solchen Wohnzimmerkriegern eine Anleitung, welche geeignet ist, ihren groben Unfug entweder zu unterlassen, oder wenigstens konsequent zu sein, denn alles andere könne allen Ernstes nur als Geschwätz und Ochlokratie aufgefasst werden.“

Der Troll Sagnfræðingur fasste Svikahetja bei der Hand und beide sangen voller Hingabe die isländische Empfehlung für Wohnzimmerkrieger.

(16) Ósnjallur maður
hyggst munu ey lifa,
ef hann við víg varast.
En elli gefur
honum engi frið,
þótt honum geirar gefi.

(16) Ein erbärmlicher Mensch
glaubt für immer zu leben
wenn er sich vor der Schlacht hütet.
Alter jedoch gibt
ihm keinen Frieden
auch wenn die Speere ihn gewähren

1) Anm.: Vers 16, „Hávámál og Völuspa“, Gísli Sigurðsson, Svart á Hvítu, Reykjavik 1986

Pan(nen)demie

Ónytjungur betrachtete am Abend gerade das bunte Treiben unten in der Stadt, als sein Freund  Ferðamaður den Öskjuhlíð heraufkam.

Ónytjungur: Sei willkommen, Ferðamaður. Was gibt es Neues über die wissenschaftsbasierte Informationsgesellschaft zu berichten? Ich hoffe, nur Gutes.“

Ferðamaður: „Wäre nicht erst zu klären, was du mit dem Begriff wissenschaftsbasierte Informationsgesellschaft meinst?“

Ónytjungur: „In der Tat. Soweit mir bekannt, gibt es da jene, in welcher nicht die Ergebnisse zählen, sondern nur Rollen und Privilegien, und solche, in welchen die Rolle nichts zählt, auch keine Privilegien gewährt werden, und nur dem Ergebnis rege Aufmerksamkeit zuteil wird. Auch in der Art der Beschaffung von Informationen ließen sich diese unterscheiden, in jene, welche als Haptiker Erfahrungen aus einer Vielzahl an Büchern schöpfen, vorzugsweise aus Philosophie, Literatur und Wissenschaft, und solche, welche sich lieber in so genannten sozialen Netzwerken tummeln und die Lektüre von Gedichten dahingehend bewerten, dass diese nicht mehr angemessen sei. Du erinnerst dich sicherlich noch an jenen Gast im Restaurant des BSÍ Terminals, der nach Weihnachten aus zwei prall gefüllte Einkaufstaschen nach und nach einen Gedichtband nach dem anderen herausholte, jeden an einer bestimmten Seite aufschlug, die gesamte Fläche des großen Tisches mit all den aufgeschlagenen Gedichtbänden pflasterte, um dann bei einer Tasse kräftigen Kaffees Stunde für Stunde einen Band nach dem anderen heranzuziehen und darin mit Genuss zu schmökern? Weswegen fragst du?“

Ferðamaður: „Ja, er hatte sich entweder in der Bókaflóð eingedeckt oder zahlreiche gute Freunde. Nun, woher ich komme, pflegt man lieber den Hang zum Zweitbuch, gut sichtbar im Wohnzimmerschrank, vorzugsweise Bildbände, Ratgeber oder sonst etwas Repräsentatives. Ich fragte, weil ich mir keinen Reim darauf machen kann, weswegen die Ergebnisse bei zwei unterschiedlichen wissenschaftsbasierten Informationsgesellschaften derart auseinander klaffen.“

Ónytjungur: „Als da wäre?“

Ferðamaður: „Nun, wie du sicherlich bereits erfahren hast, treibt sich gerade weltweit eine infektiöse organische Struktur herum, welcher reihenweise Menschen zum Opfer fallen, also daran sterben.“

Ónytjungur: „Hat sich auch hier oben herumgesprochen. Sind nicht alle wissenschaftsbasierten Informationsgesellschaften gleichermaßen von der infektiösen organischen Struktur betroffen? Ich erinnere mich, dass dort unten diese infektiöse Struktur zuerst entdeckt wurde, als Einheimische aus einem Ort  namens Ischgl krank zurückkehrten, und der Epidemiologe dort unten das Kaff bereits am 5. März darüber informierte. Reim dich oder ich fress dich.“

Ferðamaður: „Wie kommt es dann, dass dort unten die Letalitätsrate bei 0,1 % liegt, trotz einer  Infektionsrate von 45,5 % und anderenorts die Letalitätsrate bei 0,7 % trotz einer geringeren Infektionsrate von nur  21,6 %? Sicherlich hast du hierzu auch einen passender Reim  in deinem Portfolio.“

Ónytjungur: „Nun ja, hier treiben sich nur ungefähr 368.720 poten-tielle Opfer herum, anderenorts geht die Anzahl in mehrere Millionen, wie auch dir bekannt sein dürfte.“

Ferðamaður: „Ist dies dein Reim? Du entpuppst dich als Laubendichter?“

Ónytjungur: „Ich sage nur die Wahrheit.“

Ferðamaður: „Zweifellos, allerdings unterschlägst du dabei wesentliche Eigenschaften, was ich von dir bisher nicht gewohnt.“

Ónytjungur: „Welche wesentlichen Eigenschaften, du Naseweis.“

Ferðamaður: „Zum Beispiel jene, dass es dort unten nur eine Gesundheitsbehörde gibt, welche sich um ungefähr 368.720 potentielle Opfer sowie um die zusätzlich anreisenden Passagiere am internationalen Flughafen Keflavík zu kümmern hat, dort hingegen sich sage und schreibe 376 Gesundheitsbehörden um die Angelegenheit kümmern, im schlimmsten Fall für nur 338.218 potentielle Opfer. Zudem wurden hier alle Einreisenden – Jacke wie Hose,  ob nun geimpft, ungeimpft oder getestet – einem PCR-Test unterzogen, 5 Tage zur Quarantäne in eine kostenlose Unterkunft verwiesen, erhielten nach 5 Stunden das Ergebnis des ersten PCR-Tests und nach 5 Tagen Quarantäne das Ergebnis des zweiten PCR-Tests auch innerhalb von 5 Stunden, erst danach durften alle raus. Welchen Reim machst du dir nun darauf?“

 Ónytjungur: „Möglicherweise sind diesen dort die Hände gebunden …“

Ferðamaður: „Wieder daneben.“

Ónytjungur: „Nun bin ich s, der sich darauf keinen Reim machen kann. Hättest du auch eine Erklärung parat, welche auf vorhandene Plausibilität überprüfbar ist?“

Ferðamaður: „Wäre einen Versuch wert. Wie dir sicherlich bekannt sein dürfte, ist es die Zeit, welche bei einer Pandemie Leben rettet, oder etwa nicht?“

Ónytjungur: „Das ist eine Binsenweisheit, die keinen Wissenszuwachs bringt, da dies dort unten bereits jeder ABC-Schüler kennt. Und?“

Ferðamaður: Wie lange dauert es dort unten, bis die Infektionskette der infektiösen organischen Struktur unterbrochen wird?“

Ónytjungur: „Nun, die Gesundheitsbehörde dort unten hat umgehend selbst eine Warn-App entwickelt und bereits im April 2020 freigegeben. Die Ergebnisse von PCR-Tests wurden bereits spä-testens nach 5 Stunden mitgeteilt, war einer positiv, wurden dessen Kontakte umgehend aus der Warn-App von der Gesundheitsbehörde ausgewertet und gefährdete Kontaktpersonen unmittelbar per Anruf informiert, dass sich diese in Quarantäne zu begeben haben,  …“

 Ferðamaður: „… und erzielten damit eine 7-Tage Inzidenz von Null. Mir bekannt.“

Ónytjungur: „Und anderenorts?“

Ferðamaður: „Die verließen sich auf Antigen-Tests, Schüler mussten eine OP-Maske tragen.“

Ónytjungur: „Ei verbibbsch. Verhält es sich nicht so, dass Antigen-Tests sehr ungenau sind und OP-Masken bei einem Maskenball angebrachter wären?“

Ferðamaður: „Nun, glaubwürdige Quellen berichten, dass ein großer Online-Händler alle seine Mitarbeiter täglich am Eingang jedes Logistikzentrums einem Antigen-Test unterzieht und nur jene in den Betrieb lässt, welche negativ getestet wurden.“  

Ónytjungur: „Eine weise Maßnahme.“

Ferðamaður: „Dumm nur, dass die Anzahl an Mitarbeitern, welche an der Pforte negativ getestet wurden, kurz danach jedoch wegen Symptomen in einem PCR-Test positiv getestet wurden und deren Anzahl zunimmt.“

Ónytjungur: „Coup de théâtre! Taugen die Antigen-Tests nichts?“

Ferðamaður: „Du weißt ja, wo schnelles Geld gemacht werden kann, musst du auf Betrüger und Vetternwirtschaft nicht lange warten. Zudem sind dort die Behörden immer noch dabei, die feilgebotenen Produkte zu testen, um für die gutgläubigen Anwender die Spreu vom Weizen zu trennen.“

Ónytjungur: „Nach zwei Jahren? Da ist es doch gut, dass die geringe Anzahl von Konsumenten hier große Online-Händler nur müde abwinken lässt, da nix zu verdienen wäre, und dass die Bevölkerung dort unten noch über zwei Beine verfügt, alle Anbieter von Produkten ihre Geschäfte folglich nicht zu schließen brauchen. Wieso sind die dort nach zwei Jahren immer noch nicht damit fertig, die Spreu vom Weizen zu trennen? Steckt darin nicht ein sehr großes Gefahrenpotential?“

Ferðamaður: „Þetta er ekki til umræðu. Zudem zöge ich es vor, über jenes, von dem ich weiß, von einem Anderen zu hören. Ich fliege morgen nach Portugal.“ 

Ónytjungur: „Wie kommt’s?

Ferðamaður: „Ich habe Sehnsucht, einen oder eine Fadista zu hören.“

Ónytjungur: „Fado? Sehnsucht nach Liedern über vergangene Zeiten? Sehnsucht nach besseren Zeiten? Unglücklich verliebt?“

Ferðamaður: „Weit gefehlt, das Liedgut umfasst auch Werke zu sozialen Missständen.“

Ónytjungur: „Oder treibt sich dort die infektiöse organische Struktur nicht herum?“

Ferðamaður: „Weit gefehlt. Obschon dort seit Langem mehr als 90 % vollständig geimpft sind, steigt weiterhin kontinuierlich die Infektionsrate und liegt nun bei 33,6 %.“

Ónytjungur: „Nun denn, so sei es meinetwegen. Hast du vorher noch Lust, mit mir ein Lied zu singen?“

Ferðamaður fasste Ónytjungur bei der Hand und beide tanzten einen Reigen um Perlan herum.

(75) Veita hinn
er vætki veit,
margur verður af aurum api.
Maður er auðigur,
annar óauðigur,
skylit þann vítka vár. 1)

(75) Gewähre dem,
der nichts weiß;
oft wird Reichtum nachgeäfft.
Ein Mensch ist reich,
ein anderer arm,
keinem ein Vorwurf
wegen Unglück & Pech.

1) „Hávámál og Völuspa“, Gísli Sigurðsson, Svart á Hvítu, Reykjavik 1986 

Anmerkung: Am 30. März 2022 berichtet DER SPIEGEL:

Das Paul-Ehrlich-Institut hat vielen Antigenschnelltests ein gutes Zeugnis beim Omikronnachweis ausgestellt. Zu Unrecht, meint der Münchner Virologe Oliver Keppler, die Studie sei unzulänglich. Kritik gibt es vor allem an der Stichprobe. Der Münchner Virologe Oliver Keppler hält die günstige Bewertung von Corona-Schnelltests durch das bundeseigene Paul-Ehrlich-Institut (PEI) für falsch. Der Leiter der Virologie an der Münchner Ludwig Maximilians-Universität (LMU) wirft den Studienautoren des PEI vor, dass eine Arbeit, die das PEI in der vergangenen Woche veröffentlicht hat, wissenschaftlichen Standards nicht genüge. Keppler kritisiert unter anderem, dass die Zahl der Proben für eine verlässliche Studie viel zu gering gewesen sei. …

Es wurde eine viel zu kleine Zahl an respiratorischen Proben pro Virusvariante untersucht, nämlich 4, verglichen mit 50 bis 100 in den meisten internationalen Studien“, schreibt Keppler in seiner Bewertung der PEI-Studie. Die PEI-Daten erfüllten wissenschaftliche Mindeststandards nicht und seien daher nicht aussagekräftig.

Für solche Untersuchungen braucht es ausreichend große Probensets, um statistische Vergleichbarkeit zu erzielen“, heißt es in Kepplers Stellungnahme. Darüber hinaus seien weitere Untersuchungen mit in Zellkulturen expandierten Virusvarianten durchgeführt worden, obwohl die klinische Aussagekraft dieser Methode mittlerweile stark bezweifelt werde. „Man hat fast den Eindruck, hier wurde ein »Jugend Forscht«-Projekt durchgeführt.“

Die vielen Alltagsberichte von mehrfach falsch-negativen Antigenschnelltests selbst bei symptomatischen Menschen, bei denen dann erst Tage später per PCR Covid-19 diagnostiziert wird, sollten uns allen zu denken geben“, schrieb Keppler – und kritisierte das PEI scharf: „Für eine mit Millionen durch den Bund geförderte Bundesbehörde, deren genuine Aufgabe und Verantwortung es ist, diese Fragen fundiert und verlässlich für das Pandemiemanagement in unserem Land zu klären, ist dies fast vier Monate nach Erstbeschreibung von Omikronfällen in Deutschland viel zu spät, inhaltlich dünn und in der Aussagekraft fraglich.

Einsicht als Bedürfnis

Lljósmynd:  © Ragnar Ómarsson

Die Trolle Grúskari und Kjaftaskúmur liegen unweit von Hnifsdalur auf dem Dach eines Kofi und betrachten das Polarlicht, welches ein rotes Kleid angezogen hat.

 Kjaftaskúmur: „Gibt es Neues von Ónytjungur?“

Grúskari: „Wie du weißt, leidet er immer noch unter dem Malheur, bei seiner Geburt nicht unter Unseresgleichen aufwachsen zu dürfen, da er flugs einer Familie als Wechselbalg  untergeschoben wurde.  Vermutlich befindet er sich noch in der imaginalen Welt, wo Geistiges verkörperlicht und Körperliches vergeistigt wird.“

Kjaftaskúmur: „Daher wohl auch sein übersteigertes Interesse an fremdartigen Kulturkreisen, steckt er doch ständig seine Nase in Angelegenheiten, welche ihn eigentlich nichts angingen.“

Grúskari: „Nun, er ist davon getrieben, auf seinen Reisen endlich vertrauenswürdige Zusammenhänge zu entdecken, da er immer noch einer erklärenden Orientierung  entbehre …“

Kjaftaskúmur: „Wie kommt‘s? Die Welt erfreut sich da draußen geradezu an einer wahren Sintflut an Orientierungshilfen, wird regelrecht hiervon überschwemmt, und bestünde diese Sintflut nicht aus Worten, sondern aus Wasser, keine Arche wäre groß genug, um sich vor ihr in Sicherheit zu bringen.“

Grúskari: „Er ist wohl aus Erfahrungen heraus zu der Ansicht gelangt, dass er einer anderen Erklärungsebene bedarf, da ihm die vorhandenen Erklärungsebenen zu viele Widersprüchlichkeiten enthielten.“

Kjaftaskúmur: „Widersprüchlichkeiten? Meint er Unstimmigkeiten?“

Grúskari: „Unstimmigkeiten ließen sich beseitigen. Wohl  eher Unvereinbarkeiten.“

Kjaftaskúmur: „Wozu gibt es Lehrer? Diese sind studiert und wissen sich in der Kunst, Unvereinbarkeiten auflösen zu können, gut zu helfen.“

Grúskari: „In der Tat. Er war auch sehr wissbegierig und konnte damals den ersten Schultag kaum erwarten, solange, bis ihm die Lehrerin am zweiten Schultag mitteilte, dass er eine Missgeburt sei, ihm mit einem Rohrstock ständig auf die Finger schlug, seine Zieheltern einbestellte und diesen dringend auftrug, sie sollten bei den Hausaufgaben seinen linken Arm auf den Rücken binden, damit er endlich mit der rechten Hand schreibe.“

Kjaftaskúmur: „Nun, es gab sicherlich pädagogische Gründe für diese Maßnahme, sonst hätten die Kultusministerien diese nicht angeordnet. Für was gibt es Geistliche, welche darin geschult wurden, sich um hilfsbedürftige Seelen zu kümmern und den Verzagten Trost zu spenden.

Grúskari: „Welche meinst du? Jene, welche bei einer Zeremonie Panzer und Haubitzen segnen und es noch nicht einmal zustande bringen, untereinander sich einig darin zu sein, ob die ein und dieselben Person jüdischen Glaubens sei oder nicht, Christ sei oder nicht,  Moslem sei oder nicht?“

Kjaftaskúmur: „Nun gut, er hätte sich als offenbarte Missgeburt auch an einen Arzt wenden können,  damit seine Plage ein Ende finde.“

Grúskari: „Er hatte begründete Zweifel, dass dieser geeignet gewesen wäre, ihn von seiner schweren Last zu befreien, denn seiner Erfahrung nach war wohl eher dessen Gegenteil zu erwarten. War er  doch jahrelang Augenzeuge, wie Eltern aufgetragen wurde,  den Köper ihres kleines Kindes jahrelang jede Nacht in eine Gipsform zu schnallen, in welchem dann das Kind gezwungen war, jede Nacht mit gestreckten Armen und Beinen auf dem Rücken zu liegen, da beide Arme und Beine mit einem Band an der Gipsform zu fixieren waren. Da wäre doch ein auf den Rücken gebundener Arm wohl das kleinere Übel, oder etwa nicht?“

Kjaftaskúmur: „Dumm gelaufen. Und was wäre dann seiner Ansicht nach eine Erklärungsebene, welche solcherart Unvereinbarkeiten beseitigen könne? Handelt es sich bei ihm dann nicht vielmehr um eine abhängige Kreatur, da er immer noch an seinen kindischen Wunden hängt, diese liebevoll leckt, statt sich bei allseits anerkannten Koryphäen hilfreichen Rat zu holen, welcher geeignet wäre, die von ihm als Unvereinbarkeiten  wahrgenommenen Sachverhalte in Luft aufzulösen?“

Grúskari: „Führt dies nicht zu so etwas wie einer griechische Tragödie? Damals wurde der Chorführer als Koryphäe bezeichnet, nun wird diese Titulierung solchen Personen zuteil, welche durch außergewöhnliche Leistungen hervorstachen, also Autoritäten und Sachkundige eines bestimmten Sachgebiets.“

Kjaftaskúmur: „Wieso sollte es in eine Art von griechischer Tragödie enden, wolle sich einer in die Hände von Experten begeben?“

Grúskari: „Du willst mir hier nicht allen Ernstes erzählen, dass jener Lehrer, Pfarrer und Arzt nicht genau dies taten, oder glaubst du etwa, deren Handlungen wären auf deren eigenem Mist gewachsen?“

Kjaftaskúmur: „Nun, die Zeiten ändern sich“.

Grúskari: „Was hat die Zeit damit zu schaffen? Sind es nicht vielmehr die Ideen, welche sich mit der Zeit ändern?“

Kjaftaskúmur: „Nun, die Schwarmintelligenz wird schon dazu führen, dass sich die besten Ideen durchsetzen werden.“

Grúskari: „Du meinst jenes Gebaren, welches dazu führte, dass in Afrika und Nordamerika ganze Völker  abgeschlachtet wurden, nur weil diese nicht bereit waren, den Preis für die Früchte solcher Ideen zu bezahlen?“

Kjaftaskúmur: „Nun, es ist ja noch nicht aller Tage Abend.“

Grúskari: „Was die Frage aufwerfe, wie lange eine Hoffnung aufrechterhalten werden könne, ohne dass diese erfüllt werde. Verhält es sich doch so, dass der Inhalt der Wahrnehmung und der Sinnesorgane sich in einer  kontinuierlichen Änderung befinden,  also einem ständigen Veränderungsprozess unterworfen sind.“

Kjaftaskúmur: „Will sagen?“

Grúskari: „Dass im Falle, es ist vorher in der Vernunft kein allgemeines Wissen vorhanden, es dann  auch nicht möglich sei, konkrete Sinneswahrnehmungen ins Allgemeine, ins Abstrakte, in Ideen umzuwandeln.“

Kjaftaskúmur: „Welcher Art könne dieses Wissen sein“? Erworben durch die Fähigkeit  des Übergangs vom Einzelnen zum Allgemeinen? Gibt es doch zwei Methoden der Behandlung. Die eine ist die analytische Methode, die andere ist die zusammensetzende Methode. Die analytische Methode beschränkt sich auf Funktionen und Eigenschaften, die zusammensetzende Methode auf die Eigenschaften der Funktionen und deren Ordnung.“

Grúskari: „ Nun, wäre hierzu nicht die Denkmethode laterales Denken vonnöten, um gegebene Pauschalisierungen als solche erkennen zu können, wie auch den Unterschied zwischen Pauschalisierung und Generalisierung?“

Kjaftaskúmur: „Nun, Pauschalisierungen sind bekanntlich  Ergebnisse von Dumpfbacken für Dumpfbacken, das Recht auf Meinungsfreiheit in Anspruch nehmend, allerdings mit der Einstellung betrieben, Argumente und Widerlegungen als schädlich einzustufen. Soweit mir bekannt, wendet im Gegensatz hierzu die Generalisierung analytische und zusammensetzende Methode an, von konkreten Beobachtungen ausgehend zu einer Abstraktion, indem die ermittelten Eigenschaften säuberlich getrennt einem Träger zugeordnet werden.“

Grúskari: „Was allerding vergeblich wäre.“

Kjaftaskúmur: „Wie meinen?“

Grúskari: „Nun, gesetzt den Fall, es entstünde hieraus ein wohldefinierter Begriff, so wäre damit keineswegs sichergestellt, dass alle unter dem Begriff sich jenes vorstellten, was der Begriff aussage.“

Kjaftaskúmur: „Wie kommts?“

Grúskari: „Nun, soweit bekannt, werden manche Begriffe durch Wesen dort im Tal durch Selbstbezeichnungen aus primitiven Beweggründen heraus einfach okkupiert, was einen Bedeutungswandel im Sinne einer Bedeutungsverschlechterung nach sich ziehe, der Begriff daher nicht mehr verwendbar wäre, sei er auch noch so durch saubere Generalisierung entstanden.“

Kjaftaskúmur: „Beispiel?“

Grúskari: „Der Begriff Querdenker.“

Kjaftaskúmur: „ Was wäre zu tun, um diesem Unfug eine Ende zu setzen?“

Grúskari: „ Woher kann ich das wissen? Ich bin weder Generalist noch Spezialist. Verhält es sich nicht so, dass der Generalist von immer mehr immer weniger weiß, bis er von Allem nichts mehr weiß, und der Spezialist von immer weniger immer mehr weiß, bis dass er von Nichts alles weiß?  Willst du mit mir ein Lied singen?“

Der Troll Grúskari ergreift die Hand von Kjaftaskúmur und beide tanzen singend einen Reigen.

(05) Vits er þörf
þeim er víða ratar.
Dælt er heima hvað.
Að augabragði verður
sá er ekki kann
og með notrum situr.
1)

(05) Einsicht als Bedürfnis
wer vielerorts den eigenen Weg findet.
Leicht ist es nur zuhause.
Dem werden  die Augen mit Spott geöffnet,
der ohne Wissen ist
und bei Weisen sitzt.

1) Anm.: Vers 5, „Hávámál og Völuspa“, Gísli Sigurðsson, Svart á Hvítu, Reykjavik 1986

Gesetzt den Fall, es gebe …, dann …

Lljósmynd:  © Kári Þór Jóhannsson, Fiskbúð Sjávarfangs

Ónytjungur: „Verhält es sich nicht so, dass die Vorstellungskraft die Formen der  Sinneswahrnehmungen auch dann bewahre, wenn diese nicht mehr existieren?“

Lesandi: „Ich wüsste nicht, was dagegen spräche.“

Ónytjungur: „Und könnte es sein, dass die Tätigkeit des Zusammenfügens dieser Formen und ihrer Unterscheidung voneinander zu denjenigen Fähigkeiten gehört, die nicht zur Vorstellungskraft selbst gehören?“

Lesandi: „Vermutlich. Durch diese Tätigkeit kann einer sich bekanntlich auch vorgestellte Dinge erdenken, die unrealistisch sind, wie im Traum oder in den Träumen des Wachseins.“

Ónytjungur: „Gut. Nennen wir vorerst jene Instanz, welche diese Tätigkeit ausübt, die Kombinierende. Könnte es sein, dass  diese Fähigkeit  in ihrer Tätigkeit mit dem Gedächtnis verbunden ist?“

Lesandi: „Nun, wie sonst könne einer sich die Wahrnehmungen erneut vor Augen führen, stammten diese nun von den äußeren Sinnesorganen oder von den inneren Fähigkeiten wie Phantasie oder der  Kombinierenden. Wozu fragst Du?“

Ónytjungur: „Somit wäre es bei einem, welcher sowohl zu Sinneswahrnehmungen fähig,  als auch über Vorstellungskraft verfüge, für die Kombinierende durchaus eine Möglichkeit, fragte diese nach dem ‚Was wäre wenn‘?“

Lesandi: „Mit anderen Worten ‚Gesetzt den Fall, dass …‘ ? Nun, es war davon zu hören, dass der gegenwärtige isländische Staatspräsident  Guðni Th. Jóhannesson vor seiner Präsidentschaft Dozent an der Universität Ísland war. Ein Gegenstand seiner Forschungstätigkeit sei zum Beispiel die Methode  “Efsaga” (“Was wäre wenn”)  gewesen, an der Universität Reykjavík, Fakultät für Geschichte und Philosophie. Du willst mir gegenüber hoffentlich nicht behaupten, Du könntest dazu etwas Sinnvolles beitragen.“

Ónytjungur: „Wirke ich auf Dich, als würde ich unter Größenwahn leiden? Nein, ich würde diese Methode als Laie nur zu gerne einmal selbst anwenden. Ich hatte hierzu äußere Sinneswahrnehmungen aus dem Gedächtnis entnommen, womit sich dann die  Kombinierende zu beschäftigen hatte. Da ich – wie Du weißt – nur dazu fähig bin, etwas mehr oder weniger klar zu beschreiben,  wird es wohl das Beste sein, ich rufe die Fragestellung aus meiner Erinnerung zurück:               

 ‚Einmal angenommen, dass einer Lehre gefolgt werden könne oder nicht, also diese praktiziert werde oder nicht, so ist festzustellen, dass durch diese Lehre, da gelehrt, Festsetzungen der Art getroffen wurden, welche das, was sich innerhalb der Lehre befinde, von dem abgrenze, was außerhalb der Lehre sich befände.
Wie wäre dann eine Lehre beschaffen, zu welcher sich nichts außerhalb ihrer selbst etwas feststellen ließe, da alles innerhalb?
Wäre diese nicht eine Lehre, deren Eigenschaften aussagten, dass diese nicht gelehrt werden kann, und daher nur praktiziert werden könne?
Würde dies nicht auch bedingen, dass es nur eine einzige solche Lehre geben könne, und diese längst von allen praktiziert wird?
Denn gäbe es deren mehrere, worin könnten sich diese schon unterscheiden, da keine von ihnen gelehrt?
Und da nicht gelehrt, was könne da die Feststellung begründen, es gäbe auch nur einen Einzigen, der sie nicht praktizierte?
Wäre dann, aus dieser Sicht, erstens diese Lehre nicht eine Lehre von der Einheit, und daher per se einzigartig, und zweitens die Wege des Wissens so zahlreich wie die Anzahl der bisherigen Menschen?
Und wäre dies dann nicht auch der einzige Punkt, in welchem die Vielfalt dieser Lehre sich doktrinär ausdrückte?‘

Untersuche ich nun – ausgehend von der Annahme – die Folge daraus resultierender Ableitungen auf deren Gültigkeit, so entdecke ich darin nur vernünftige Schlussfolgerungen. Bin ich auf dem Holzweg?“

Lesandi: „Woher soll ich das wissen. Wie Du weißt, ist das Auge der Zufriedenheit für jeglichen Mangel zu schwach, so wie das Auge der Unzufriedenheit die schlechten Dinge ans Licht bringt.“

Die Irrtümer des Ónytjungur

Ljósmynd: Delphine & Thibault

Lesandi: „Nun hatten wir uns ja bereits emsig das Maul zerrissen über jene Wesen, so dass es vielleicht an der Zeit wäre, sich einmal über Unseresgleichen auszutauschen. Wo steckt eigentlich Ónytjungur?“

Sögumaður: „Er leckt immer noch seine Wunden.“

Lesandi: „Ég kem alveg af fjöllum. Was hat sich zugetragen?

Sögumaður: „Wie du sicher weißt, war er ein Wechselbalg.“

Lesandi: „Und wenn schon, nun ist er ja wieder zurück und haust unter Seinesgleichen.

Sögumaður: „Dann weißt du sicherlich auch, dass dort seine Großmutter mütterlicherseits eine eifernde Klerikerin mit unerbittlichem Bekehrungsdrang war, deren Ehemann ein eingefleischter Sozi und eifrig fremdgehender Womanizer, sein Großvater väterlicherseits einer der „alten Kameraden“, per Du mit  dem Führer und fanatischer Nazi und dessen Ehefrau eine schlichte Bäuerin, welche die russischen Zwangsarbeiter stets heimlich mit Lebensmitteln versorgte.“

Lesandi: „Das konnte ja nicht gutgehen mit ihm. Da ist es gut, dass er wieder zu seinem Stein zurückgekehrt ist.“

Sögumaður: „Zudem wuchs er dort mit der Gewissheit auf, mit einem widerwärtigen Makel geboren worden zu sein. Nicht genug, dass er wie jedes Kind am Anfang mit leuchtenden Augen in die Schule eilte, um dann nach einiger Zeit mit stumpfem Blick wieder herauszukommen, hielten es die Pädagogen dort auch noch  für dringend erforderlich,  ab dem ersten Schultag seinen linken Arm hinten auf den Rücken zu binden, damit er den Griffel endlich in die rechte Hand nehme.“

Lesandi: „Verhält es sich nicht so, dass nur in arabischen Ländern die linke Hand als die unreine gilt?“

Sögumaður: „Dennoch durften Linkshänder in deren Schulen mit der linken Hand schreiben. Waren dann die Hausaufgaben gemacht, belehrte ihn seine Großmutter mütterlicherseits tagein, tagaus dahingehend, dass er in der Finsternis lebe, ein Satan sei, was sie schließlich wissen müsse als  Braut Jesu.“

Lesandi: „Hat jener sie dann geheiratet?“

Sögumaður: „Er ließ sich sehr viel Zeit dabei, sie wurde steinalt.“

Lesandi: „Geriet sie dabei nicht mit dem Großvater väterlicherseits aneinander?“

Sögumaður: „Der war zu jener Zeit bereits längst jämmerlich an einer Leberzirrhose krepiert, just in dem Augenblick, als Bomber sein Dorf in Schutt und Asche legten, da sie nicht mit Bomben zurückfliegen wollten und dabei nicht nur seine Anhängerschaft allein so nebenbei um ein Viertel reduzierten.“

Lesandi: „Hatte wohl zu viel gesoffen mit den Herrenmenschen.“

Sögumaður: „Dabei war der Name seines Großvaters väterlicherseits nachweislich keltisch, dessen schwarze Haare belegten eindeutig, dass sich einer seiner Vorfahren dummerweise mit einer dort so genannten ‘Mischehe’ besudelt hatte, vermutlich Römer oder Römerin, was ihn allerdings keineswegs daran hinderte, sich als „Germane“ zu wähnen und Adolf Hitler gleich von Anbeginn an die Pfote zu küssen.“

Lesandi: „Und deswegen leckt sich Ónytjungur nun die Wunden?“

Sögumaður: „Keineswegs. Er hält sich nur an die Regeln. Er hatte bereits davon gelesen, dass über Verstorbene nicht schlecht geredet werden dürfe, es sei ihnen der gebührende Respekt zu erweisen, zudem könnten diese sich auch nicht mehr wehren.“

Lesandi: „Was gute Sitte und Gebrauch. Ist doch keiner nur gut oder böse und es gibt auch nicht nur die Farben weiß und schwarz, wie du sicherlich weißt.“

Sögumaður: „So ist es. Er stellte nur bei einer seiner letzten Reisen fest, dass nun sowohl die Anhänger der Braut Jesu als auch die Anhänger des Germanen zu deren Gräbern pilgern, um ihren Vorbildern zu huldigen.“

Lesandi: „Und?“

Sögumaður: „Ihm fiel eine Erzählung ein, welche über einen klugen Mann berichtete. Seine Anhänger strömten in Scharen zu seiner Wohnstätte und beteten ihn an. Was dem Mann nicht geheuer war, da nur auf einem Missverständnis beruhend, die Leute jedoch seine diesbezüglichen Argumente strikt ablehnten und diese irrtümlich als Ausdruck seiner  Bescheidenheit hinstellten. So dass er befürchten musste, dass ihm die Leute nach seinem Ableben auch noch ein Grabmal über seine sterblichen Überreste errichten werden, um ihm weiter huldigen zu können. Er zog also seinen besten Freund ins Vertrauen, und bat ihn, nach seinem Tod seine sterblichen Überreste heimlich an einem stillen Ort zu bestatten und in sein Grab stattdessen den Kadaver eines Esels zu legen.“

Lesandi: „Lass mich raten, so geschah es auch. Die Anhänger errichteten über dem Esel ein Grabmal, pilgerten in Scharen zum Grabmal …“

Sögumaður: „… und spürten dann, so wird erzählt, wie die Spiritualität des Leichnams sie durchströmte. Und nun wäre Ónytjungur …“

Lesandi: „… gerne an die Grabstätte der Braut Jesu und des Germanen gereist, hätte Nächtens in aller Stille die sterblichen Überreste an einem ruhigen Ort bestattet, und an deren Stelle den Kadaver eines Esels in die Grabstätte gelegt. Wo liegt sein Problem?“

Sögumaður: „Dummerweise las er auch davon, dass es in manchen Ländern guter Brauch ist, die Totenruhe der Verstorbenen selbst dann nicht zu beenden, sollte die Miete für die letzte Ruhestätte nicht bezahlt worden sein.“

Lesandi: „Nun, manche Länder haben sogar Kultur und kamen daher gar nicht auf die Idee, Miete für die letzte Ruhestätte zu verlangen.“

Sögumaður: „Er würde, wolle er seine Absicht umsetzen, unweigerlich die Totenruhe der beiden stören.“

Lesandi: „Und nun leckt er die Wunden seiner Synapsen. Ich verstehe. Hättest du Lust, mit mir ein Lied zu singen, laut genug, so dass es auch Ónytjungur hören kann?“

Die Trolle Sögumaður und Lesandi fassten sich bei der Hand und sangen ein Lied:

(73) Tveir eru eins herjar,
tunga er höfuðs bani.
Er mér í héðin hvern
handar væni. 1)

(73) Zweie überwältigen einen,
die Zunge ist der Tod des Kopfes.
Erwarte Feindschaft
unter jedem Fell.

1) „Hávámál og Völuspa“, Gísli Sigurðsson, Svart á Hvítu, Reykjavik 1986 

Das Wort „Staat“ (πολις) hat mehrere Bedeutungen

Die Trolle Stjórnvald und Húskarl verfolgten an Sylvester auf ihrem Stein liegend  mit großer Freude den Tanz der Elfen am Firmament.

Húskarl  : „Ich las davon, dass das Zusammengesetzte bis zu dem Einfachen hin – was sozusagen  die kleinsten Teile des Ganzen sind – getrennt werden müsse, daher auch bei dem Staate untersucht werden müsse, woraus er bestehe und würde dann an seinen Bestandteilen besser ersehen, wie die Staaten sich voneinander unterscheiden und ob es angehe, über jede der genannten Gemeinschaften etwas wissenschaftlich festzustellen.“

Stjórnvald : „Ich sehe, auch dieses Jahr hat die Bókaflóð bei dir ihre Spuren hinterlassen.“

Húskarl  : „Ist dir auf deinen Reisen nicht aufgefallen, dass es zahlreiche Gemeinsamkeiten bei den Nationen da draußen in der Welt gebe und dies unabhängig davon, ob sich diese Demokratien, Königtümer, oder Diktaturen nennen und auch völlig unabhängig davon, ob sie von sich behaupten, sie wären atheistisch, säkular oder religiös?“

Stjórnvald :  „Hattest du nicht auch den Satz entdeckt, dass die Tyrannen schlechte Leute lieben würden, denn wenn man ihnen schmeichle, freue es sie, denn der Tyrann strebe nach dreierlei, einmal nach einer kleinmütigen Gesinnung bei seinen Untertanen, dann dass niemand dem Anderen traue, denn die Tyrannis könne ja nicht eher gestürzt werden, als bis einige einander vertrauten?“

Húskarl  : „Hatte ich  gelesen. Deshalb verfolge die Tyrannis auch die rechtlichen Leute, weil diese ihrer Herrschaft Schaden brächten. Ich las auch, dass das Gleiche und Gerechte immer nur von den Schwächeren verlangt werde, während Gewalthaber sich nicht darum kümmerten.“

Stjórnvald :  „Nun, dann hast du sicherlich auch gelesen, dass der Staat zu den zusammengesetzten Dingen gehöre und daher aus vielen Teilen bestehe. Daher wäre zunächst die Untersuchung auf die Bürger zu richten, denn der Staat ist ja eine Menge von Bürgern.“

Húskarl : „Dann dürfte die Einteilung aber nicht mehr stimmen.“

Stjórnvald :  „Welche Einteilung?“

Húskarl : „Unterschied er nicht nach Königtum, der Aristokratie, dem Freistaat und der drei Ausartungen derselben, also der Tyrannis als Ausartung des Königtums, der Oligarchie als Ausartung der Aristokratie und der Demokratie als Ausartung des Freistaates?

Stjórnvald :  „Nun, aus diesem Grund wurde auch 500 Jahre später diese Einteilung um die Ochlokratie ergänzt.“

Húskarl : „Allerdings hatte er es bereits vorausgesehen. Führte er nicht aus, dass die meisten die despotische Herrschaft für die stattliche hielten und was sie für sich selbst nicht für gut und zuträglich hielten, dessen schämten sie sich nicht gegen Andere zu üben? Bei sich zu Hause mögen sie vielleicht nach einer gerechten Herrschaft streben, Anderen gegenüber kümmere sie das Gerechte nicht. Daher hatte die Einrichtung des Scherbengerichts gegen anerkannte Überlegenheiten eine staatliche Berechtigung.“

Ljósmynd:  Forseti Íslands

Stjórnvald :  „Dann sind wir hier ja bestens aufgehoben. Der Staatspräsident steht im Supermarkt wie jeder andere vor der Kasse in der Warteschlange, fährt morgens seine Tochter mit dem Fahrrad zur Schule, kann bei einer Fußball-Europameisterschaft dankend die VIP-Lounge ablehnen, sich zur Fankurve seiner Staatsbürger  gesellen und in der Menge wie ein Fisch im Fischschwarm schwimmen.“

Húskarl : „Vergiss nicht, dass es nicht in allen Ländern die Bücherflut gibt. Ich hörte davon, dass hier die Schüler einer Schule jede Woche ein anderes Buch zu lesen haben, welches dann anschließend im Unterricht gemeinsam erörtert werde. Ein Direktor einer Schule eines anderen Landes, welcher mit dieser Schule in den Westfjorden über ein Schüleraustauschprogramm verbunden war, führte beredte Klage, dass er schon froh wäre, wenn er in seiner Schule wenigstens zwei Bücher im Jahr besprechen könne. Ist es nicht die Sprache, welche das Nützliche und Schädliche sowie das Gerechte und Ungerechte offenbare?“

Stjórnvald :  „Der Unterschied liegt wohl darin, dass hier vom Staatsvolk auch die Dichter mehr geachtet werden als Politiker oder sonstige prominente Personen.“

Húskarl : „Verhält es sich dann nicht so, dass es nicht die Menge der Bürger ist, welche die Größe eines Staates bestimme, sondern von welcher Beschaffenheit diese seien?“

Stjórnvald :  „So ist zu lesen. Zudem beurteilen in anderen Staaten die Menschen die Größe eines Staates nach der Zahl seiner Einwohner, statt auf die Kraft zu sehen.  Ist doch ein großer Staat nicht dasselbe wie ein volkreicher Staat. Das Übrige wäre dann Sache der Erziehung, denn der Mensch lerne teils durch Gewöhnung, teils durch Hören.“

Húskarl : „So ist es. Daher wurde seit der Landnahme hier großer Wert darauf gelegt, dass die Sprache nicht verwässert werde durch Lehnwörter oder Worthülsen, welche vorgeben etwas zu sein, was sie bei näherer Betrachtung dessen Inhalts gar nicht sind.“

Stjórnvald :  „Was dazu führte, dass mit den Leuten hier nicht gut Kirschen essen ist. Die Bankster, welche damals den Staatsbankrott herbeiführten, waren vernünftig genug, schleunigst das Land zu verlassen und nicht mehr zurückzukehren. Erinnerst du dich noch an jene Toilette, bei der die Pissoirs mit den Konterfeis dieser Bankster ausgekleidet wurden, damit jeder  diese sofort erkennen könne, sobald sie es wagen sollten, isländisches Territorium zu betreten?“

Ljósmynd: Iceland Monitor / Golli

Húskarl : „Oder dieser ohrenbetörende rhythmische Lärm, der von Austurvöllur bis hinauf zur  Hallgrímmskirkja zu hören war und dies nur aus dem Grund heraus, weil ein Politiker vor der Wahl versprach, dass er das  Staatsvolk befragen werde, ob die Verhandlungen mit der EU eingestellt werden sollen oder nicht …“

Stjórnvald :  „… und dann das Staatsvolk nach der Wahl nicht befragte, sondern einfach die Verhandlungen eigenmächtig einstellte, mit der Begründung, dass das Ergebnis der Befragung  ja ohnehin eindeutig gewesen wäre, da die Mehrheit der Ísländer bereits vor der Wahl gegen den Beitritt zur EU  gewesen war, wie die Meinungsumfragen belegt hätten …“

Húskarl : „… was ja auch bereits vor der Wahl bekannt gewesen, so dass sich den Wählern die Frage aufdrängte, wieso er dann dennoch eine Volksbefragung vor der Wahl versprochen habe, wissend, dass er dieses Versprechen nach der Wahl nicht einhalten werde.“

Stjórnvald :  „Nun, mit den Panamapapieren hatte er den Bogen ja dann endgültig überspannt. Vermutlich ist ihm völlig entgangen, dass die Vorfahren damals das Land besiedelten, weil sie sich nicht einem König unterwerfen wollten.“

Húskarl : „Womit zwar wieder einmal bestätigt, dass jene welche sich im Übermaß von Glücksgütern befinden, weder den Willen noch das Verständnis für Gehorchen hätten, ihnen dieser Mangel bereits von Hause aus und von Kindheit ab anhänge und sich wegen des Luxus nicht einmal in der Schule sich an das Gehorchen gewöhnen mussten …”

Stjórnvald :  „ … wohingegen die weitere Aussage nicht zutraf, dass jene, welche an all diesen Gütern großen Mangel litten, zu unterwürfig werden würden.“

Húskarl : „Es ist an der Zeit : Gleðilegt nýtt ár, Stjórnvald! Wäre dies nicht ein Grund,  den Tanz der Elfen mit einem Lied zu begleiten?“

Stjórnvald :  „Gleðilegt nýtt ár, Húskarl!“

Die Trolle Stjórnvald  und Húskarl standen auf und sangen Hand in Hand den Elfen ein Lied:

(64) Ríki sitt skyli ráðsnotra hver
í hofi hafa.
Þá hann það finnur
er með fræknum kemur
að engi er einna hvatastur. 1)

1) „Hávámál og Völuspa“, Gísli Sigurðsson, Svart á Hvítu, Reykjavik 1986

(64) Der Befugnis
in Maßen führt durch,
wer guten Rat hütet.
Der wird einen finden
der tapferer kommt;
keiner ist allein lebendig.

Made in GERMANY

Kennari : „So spät noch des Wegs? Wozu die Eile?“

Tölvufræðingur : „Es gilt eine ganze Generation zu retten.“

Kennari: „Drunten im Dorf?“

Tölvufræðingur : „Keineswegs, da ist alles so wie es sein könnte. Nein, ein Kontinent im Süden bedarf  raschester Entwicklungshilfe.  Du weißt ja, primitive Gemeinschaften mit evolutionär bedingter Rückständigkeit und nun der Virus, die Epidemie …“

Kennari: „Darf ich dich schonend daran erinnern, dass du kein Virologe bist.“

Tölvufræðingur : “Ich will dort keineswegs den Virologen mimen, wo denkst du hin. Schuster bleib bei deinen Leisten! Zudem hätten sie dort ohnehin schon ausreichend Spezialisten.  Nein, es geht mir um die Schüler, welche – wie du weißt – die einzige Zukunft jeder Generation sind.“

 Kennari: „Sind die Lehrer alle erkrankt?

Tölvufræðingur : „Auch das nicht. Hast du schon einmal in deinem Leben in einem Büro gearbeitet? Nun stelle dir vor, du bewirbst dich um eine Anstellung in einem Betrieb. Der Personalchef teilt dir mit, dass du 16 Wochen lang in einem Büro allein eingesperrt wirst und dein Abteilungsleiter dir innerhalb dieser 16 Wochen 137 entweder sehr umfangreiche oder sehr armselig ausgearbeitete Dokumente zu 11 verschiedenen Themenbereichen zur Verfügung stellen wird, an manchen Tagen  zu 4 , 5 oder 6 Themenbereichen gleichzeitig. Du kannst den Abteilungsleiter in diesen 16 Wochen nicht anrufen, um Rückfragen zu stellen und hast die vorgegebenen Termine einzuhalten. Insgesamt wirst du einen Stapel von mehr als 500 Seiten in Empfang nehmen. Wirst du diese Anstellung annehmen?“

Kennari : „Bin ich Jesus, wächst mir Gras aus der Tasche, trag ich einen Strohhut?  Neige ich zu Verzweiflungstaten?“

Tölvufræðingur : „Und wieso ordneten dies dann ausgerechnet Pä-dagogen par orde du mufti  an?“

Kennari: „Vielleicht sind sie Querdenker?“

Tölvufræðingur : „Dieses Nomen ging den Weg alles Irdischen, ohne dass hierfür Ersatz bereitgestellt. Einst wurden unter ‘Querdenker’ kreative Menschen verstanden, welche nicht von ‘Betriebsblindheit’  betroffen. Längst Geschichte, vorbei. Nun haben dort Tölpel, Dumpfbacken und Schreihälse in großer Zahl sich dieses Begriffs eigenmächtig bemächtigt und damit diesen bis dahin zu recht positiv konnotierten Begriff ein für allemal zu Grabe gegrölt. Ich sprach von Pädagogen.“

Kennari : „Von wem ist nun die Rede? Von Lehrern, von Pädagogen?  Gibt es denn da einen Unterschied?“

Tölvufræðingur : „Warst du nie Schüler? Verhält es sich nicht so, dass du dich bei manchen deiner Lehrer auch noch nach Jahrzehnten an deren Namen erinnerst, und bei anderen deiner Lehrer dir deren Namen partout nicht mehr einfallen will?“

Kennari : „Nun, es heißt ja nicht umsonst, es habe sich einer einen Namen gemacht. Wozu sich dann  an jenen der anderen noch erinnern?“

Tölvufræðingur : „Nun, dann dürftest du auch nachvollziehen können, aus welchem Grund heraus mit dem Wort ‘Pädagoge’ ursprünglich jener Sklave bezeichnet wurde, der den Schüler nur zu seinem Lehrer begleitete.“

Kennari : „In der Tat, der Unterschied zu einem Lehrer ist mehr als signifikant. Ich fasse zusammen:  Du willst folglich dort nicht den Virologen mimen, auch nicht den Pädagogen geben, verabscheust auch diese neue Art von Spezies, welche sich selbst in einem Anfall von Größenwahn als  ‘Querdenker’ bezeichnen und dummerweise diese anmaßende Selbstzuweisung dort auch noch akzeptiert wird. Willst du dort den Lehrer mimen?“

Tölvufræðingur : „Wo denkst du hin. Ich bin zum Lehrer denkbar ungeeignet. Nimm zum Beispiel das Unterrichtsfach Geschichte. Da werden den Kindern auf Anordnung von Pädagogen die Jahreszahlen von irgendwelchen Schlachtfesten eingetrichtert, Namen von Vollpfosten, welchen Denkmäler errichtet wurden, weil sie Erbstreitigkeiten mit der buckligen Verwandtschaft in der Regel mit solchen Schlachtorgien beantworteten,  nicht zu sprechen von so genannten Entdeckern, welche nichts Besseres mit ihrer Entdeckung anzustellen wussten, als die Entdeckten auszurauben, ihnen das Land zu stehlen und sie massenweise zu versklaven oder zu ermorden. Da halte ich es lieber mit meiner damaligen Geschichtslehrerin, die uns sagte, dass aus diesem Brimborium Geschichte nie zu verstehen sei und es daher vorzog, Briefe von Betroffenen aus jener Zeit mit uns durchzuarbeiten, damit wir verstehen lernen, mit welchen Ängsten, Sorgen und Problemen die Menschen damals zu kämpfen hatten.“

Kennari : „Nun gut, also auch zum Lehrer untauglich. Was willst du dann dort? Den Kindern Geschichten erzählen?“

Tölvufræðingur : „Da weder Querdenker, Virologe, Lehrer,  noch  Pädagoge, bleiben mir nur Verzweiflungstaten. Ich bringe nur Nasenspray zu den Kindern.“

Kennari : „Nasenspray? Haben die Kinder dort Schnupfen?“

Tölvufræðingur : „Nein, wobei ich dies nicht mit Gewissheit sagen kann. Denn einerseits werden sie dort gezwungen, bei offenen Fenstern und Türen im Klassenzimmer zu frieren, andererseits dazu gezwungen, jeden Schultag über eine Fahrzeit von mitunter mehr als einer halben Stunde am Morgen in so genannten Schulbussen dicht an dicht gedrängt sich zur Schule zu begeben und am Ende des Unterrichts dieselbe Prozedur in umgekehrter Fahrrichtung durchzustehen. Nein, ich bringe nur ein Nasenspray.  Du erinnerst dich doch noch daran, dass die Fischhäute vom Kabeljau von der Fischverarbeitung nicht als Abfall behandelt wurden, sondern einem örtlichen Pharmaunternehmen übergeben, welches daraus seit Jahren schon ein Wundpflaster für schwerste Wunden herstellte und damit die Krankenhäuser der Welt belieferte.“

Kennari : „Ich weiß, während die einen einem weiß machen wollen,  sie könnten sogar aus Exkrementen Brot machen, ist es den Leuten in den Westfjorden tatsächlich gelungen, aus Abfall  Wundpflaster herzustellen und haben damit schon manchem Patienten in den Nationen der Welt das Leben gerettet. Und jetzt kümmern sie sich um die Nasen von Kindern?“

Tölvufræðingur : „Es war davon zu hören, dass sie nun ein Nasenspray entwickelt hätten, welches 99,97 % der COVID-19-Viren abtöte, indem es die Membran des Virus zerstöre. Es soll dieses Nasenspray hier dem Vernehmen nach seit Oktober in allen Apotheken geben, auch namhafte Wissenschaftler seien interessiert. Ich habe mir daher meinen Rucksack damit vollgestopft und möchte ihn den Kindern bringen.“

Kennari : „Nun, dann hätte Guðbergur Bergsson ja doch recht gehabt.“

Tölvufræðingur : „Womit?“

Kennari : „Schrieb er nicht in seinem Essay ‚Island ist ein kleines Land, weitab von anderen Völkern‘ in Bezug auf die Größe von Nationen davon, dass es wie so oft sei, dass die Winzigkeit und nicht die Größe den Menschen vor dem Abgrund rette?“

Tölvufræðingur : „Nun, vermutlich haben dort nicht alle im Band 143 von ‚die horen‘ aus dem Jahre 1986 die Übersetzung von Jürgen von Heymann gelesen.“

Kennari : „Na, dann : Góða ferð!“

Seifenblase

(c) Zen&Senf

Die Trolle Viturmaður und Barn saßen östlich von Sveinstindur auf einem Stein, und warfen kleine Kieselsteine in den Langisjór.

Barn: „Ich muss dir erzählen, was ich heute gesehen habe, unten in Kirkjubæjarklaustur. Ein Kind vermischte in einem Glas Seife mit Wasser, nahm einen Strohhalm und pustete in die entstandene Seifenlauge.“

Viturmaður: „Es entstanden Seifenblasen.“

Barn: „Jede Seifenblase grenzte sich von der anderen durch eine dünne Haut aus Wasser ab. Es gab unterschiedlich große und kleine Seifenblasen. Auch waren alle nicht gleich rund, aber irgendwie schon ähnlich. Gelegentlich löste sich die trennende dünne Haut zwischen zwei Seifenblasen auf, und es entstand eine einzige, größere Seifenblase. Auch entstanden aus Seifenblasen wieder neue Seifenblasen.“

Viturmaður: „Kenne ich.“

Barn: „Schon nach kurzer Zeit erkannten die Seifenblasen, und die eine oder andere Seifenblase begann über wichtige Dinge nachzudenken, ihre Gedanken und Erkenntnisse anderen mitzuteilen. Das Glas füllte sich mit abertausenden Informationen, was zum Beispiel zu tun wäre, damit die aus Wasser bestehende dünne Haut einer Seifenblase schöner werden würde, wie man verhindern könnte, dass man vor der Zeit platzt, oder dass aus zwei Seifenblasen eine Seifenblase wird, oder dass aus einer Seifenblase mehrere Seifenblasen entstehen. Andere Seifenblasen zerbrachen sich den Kopf darüber, ob es gut oder schlecht sei, wenn aus zwei Seifenblasen eine Seifenblase wird, bzw. dass aus einer Seifenblase weitere Seifenblasen entstehen. Andere, ebenso vernunftbegabte Seifenblasen beschäftigten sich mit dem Problem, dass sie ihrer Ansicht nach nicht genug Platz hätten, vereinigten sich mit anderen Seifenblasen, stemmten sich mit vereinten Kräften gegen jene Seifenblasen, die ihnen den Platz streitig zu machen schienen, machte jemand nicht mit, oder sah es danach aus, als würde er nicht mitziehen, so zerdrückten sie ihn und teilten seine dünne Haut unter sich auf.

Viturmaður: „Das ist üblich.“

Barn: „Intelligente Seifenblasen kamen überein, dass man eine Grundlage benötige, um zu verstehen, was hier vor sich gehe. Sie teilten das Wahrnehmbare in Einheiten, bestimmten ein Davor und Danach, sie entwickelten Systeme und Logiken, die vergleichende Aussagen erlaubten.“

Viturmaður: „Sehr klug.“

Barn: „Manche Seifenblasen waren gelähmt vor Angst, da sie befürchteten, sie würden nicht groß werden wie die anderen, große Seifenblasen hatten wiederum Angst, sie würden kleiner werden, und versuchten, dies mit allen Mitteln zu verhindern. Hier und dort war eine Seifenblase traurig über ihre Situation, manche zerstörte sich deswegen sogar selber. Andere Seifenblasen waren der Ansicht, sie kämen zu kurz, sie bekämen nicht, was ihnen zustehen würde, beklagten sich lauthals darüber, schmollten, oder strampelten sich ab, damit andere Seifenblasen diesen Zustand endlich korrigieren.“

(c) Zen&Senf

Viturmaður: „Verständlich.“

Barn: „Die intelligentesten Seifenblasen beobachteten nun das Geschehen anhand dieser Systeme und Logiken, entwickelten diese weiter, analysierten als Seifenblase die dünnen Häute der Seifenblasen, den Innenraum der Seifenblasen, leiteten Formeln und Erklärungsmuster ab, für das Innenleben der Seifenblasen, für den Raum, der die Seifenblasen enthielt, für das Geschehen, das beobachtet werden konnte, bestimmten Zeit, da sie sahen, dass es einen Beginn und ein Ende für eine Seifenblase gab, es Seifenblasen vor ihnen gab, die es nun nicht mehr gibt, und Seifenblasen aus dem Nichts entstehen, da es diese im Augenblick noch nicht gibt, aber aller Wahrscheinlichkeit nach noch geben wird.“

Viturmaður: „Vernünftig.“

Barn: „Andere Seifenblasen wiederum kümmerten sich nicht mehr um all dieses, sie vertrieben sich daher die Zeit damit, sich mit anderen Seifenblasen über die Farbe von dieser oder jener Seifenblase lustig zu machen, da sie ihnen als ‚schräg‘ galt, und einer anderen Seifenblase nachzulaufen, deren Farbe als ‚geil‘ angesehen wurde.“

Viturmaður: „Nachvollziehbar.“

Barn: „Plötzlich war Stille. Und alle Seifenblasen fielen in sich zusammen. Vereinigten sich zu einer grauen, schmierigen Brühe, dicht an dicht, zu einer homogenen Masse, ohne trennende dünne Haut, ohne schillernde Farben, bewegungslos vereint, schwappten sie im Glas – als träge Seifenlauge. Dem Kind, das mit leuchtenden Augen diesem lustigen, farbenfrohen, bewegten, lebendigen Treiben zugesehen hatte, war die Puste ausgegangen.“

Viturmaður: „Habe ich auch schon mal beobachtet.“

Barn: „Nur eine winzige Seifenblase klebte noch verzweifelt am Glas, blickte – schon das nahe Ende spürend – dem Strohhalm entlang zum Mund des Kindes, das gerade dabei war, seine Lungen wieder mit Luft aufzufüllen.“

Viturmaður: „Hast du Seife, Wasser und ein Glas hier? Ich möchte spielen.“

Viturmaður und Barn pusteten in ihr Glas und summten dabei:

Heilkundig weise,
der den Lebensweg
des Menschen gut erkennt.
Weil weiser Menschen Herz
kaum zu entzücken sei,
wenn es allwissend wird.

(Hávamál, Vers 55)

isSápukúla

Bedenke das Ende

(c) Zen&Senf

Nicht unweit von Hvanngil tanzten drei Trolle, Durgur, Bófi und Barefli um einen Stein und spielten ihr Lieblingsspiel, das Spiel der Wesen.
Um den Stein tanzend, sangen Durgur, Bófi und Barefli ihren Refrain im Chor:

„Oh wie gut,
dass wir nicht sind,
stets würden wir
das Streichholz ziehn
das kürzer wär.“

Barefli: „Welche Klage führst du?“

Durgur: „Jeder kann bezeugen, ich war stets redlich. Ich bin nun in das Alter gekommen, meine materiellen Angelegenheiten abschließend zu regeln, und deswegen stehe ich hier. Dieses Wesen sagt mir, dass mir aus meinem Tod eine Schuld in Geld entsteht. Ich müsse Miete für meine tote Hülle bezahlen. Er ist ein Leichenfledderer, und ich beschuldige ihn daher des Diebstahls.“

Bófi: „Uns entstehen Kosten durch seinen Tod. Sein Körper braucht einen Platz, der Friedhof muss gepflegt werden, wir als Gemeinde verlieren wertvollsten Baugrund, er nimmt anderen auch noch den Platz weg. Ich handle nur nach Gesetz. Wenn jemand Müll auf die Mülldeponie wirft, muss er auch dafür zahlen. Er ist nur ein Sláni, weiter nichts.“

Barefli: „Wie können Sie, Durgur, wegen so einer Bagatelle uns hier die Zeit stehlen. Ich verstehe auch nicht. Der Beklagte handelt doch nur nach Recht und Gesetz. Er ist ein Leibeigener des Gesetzes von Rechts wegen. Sie verklagen damit nicht ihn, sondern das Gesetz. Ich muss daher die Klage abweisen, da der vorliegende Fall nicht bei der beklagten Partei liegt.“

Durgur: „Er ist Vollstrecker. Mein Tod ist ein mir zustehendes grundlegendes Recht, und hat als solches auch zu gelten. Wie kann es sein, dass aus der Tatsache, dass ich mein Naturrecht für mich in Anspruch nehme, mir daraus nicht unerhebliche Schulden erstehen.“

Barefli: „Nun, ich bin auch Vollstrecker des Worts, und ein Leibeigener des Gesetzes von Rechts wegen. Außerdem müssen Sie die Schulden ja nicht begleichen. Ihre Angehörigen werden Ihre Schuld begleichen.“

Durgur: „Durch mein Naturrecht, zu sterben, bezahle ich den gerechten Preis meiner Geburt. Die Schuld ist also getilgt. Meine Schulden an den Staat dafür, dass ich hier überleben durfte, sind auch allesamt bezahlt, wie auch alles, was ich anderen noch schuldig war. Und Sie wissen, dass meine Geldschulden, die durch meinen Tod erst durch Gesetz entstehen, nicht aber von Rechts wegen, also aus der Tatsache heraus, gestorben zu sein, solcherart Geldschulden von meinen Angehörigen abverlangt werden, in schamlosester Ausnutzung derer Pietät. Obschon nicht deren Schuld, denn erst deren Schuld durch Gesetz, und da jenen Bezahlung von Schulden Pflicht, somit auch keine Befreiung möglich, diese die Schulden begleichen, die nicht die ihren sind.“

Barefli: „So ist es. Allerdings leidet Ihre Klage an einem weiteren Mangel. Unser Recht verlangt, dass erst die beanstandete Tat begangen worden, also vollzogen sein muss, bevor man dagegen Klage erheben darf. Das ist ein unumstößlicher Rechtsgrundsatz. Das ist aber, wie Sie an sich selbst sehen, in Ihrem Fall nicht gegeben. Das heißt, es liegt auch kein Klagegegenstand vor. Ich muss daher nach Recht und Gesetz Ihre Klage abweisen.“

Durgur: „Ich kann demnach vor Ihnen Klage erst dann einreichen, wenn ich tot bin?“

Barefli: „So ist es. Laut Recht und Gesetz ist das dann aber auch nicht möglich, da dann zwar der Klagegegenstand vorläge, aber kein Kläger mehr vorhanden, und da laut Recht und Gesetz postum keiner Klage einreichen darf, würde auch diese Klage, dann mangels Kläger, abgewiesen. Ein Staatsanwalt könnte dann an Ihrer Stelle Klage erheben, aber dafür benötigte er erst einmal ein Gesetz. Sie müssen sich folglich an den Gesetzgeber wenden.“

Durgur: „Aber bis eine ausreichende Anzahl an Gesetzgebern in das Parlament gewählt wird, die davon überzeugt sind, dass Tote keine Miete für die Tatsache ihres Todes zu bezahlen haben, vergehen Jahrzehnte. Wenn man auch noch bedenkt, dass das Parlament der Gemeinde selbst die durch einen Tod fällige Miete eines Toten einstreicht, die der Angestellte dieses Parlaments, jener Beklagte hier, eintreibt, und wenn man bedenkt, dass Sie selbst, ehrenwerter Richter, in diesem Parlament eine Führungsrolle innehaben, und daher auch Interesse daran haben, dass das Parlament die durch einen Tod fällige Miete eines Toten einstreicht, werde ich bis dahin längst gestorben und vermodert sein.“

Barefli: „So leid mir das auch tut, da haben Sie halt Pech gehabt. Das gehört zum allgemeinen Lebensrisiko. Wir alle haben uns an Recht und Gesetz zu halten. Wo kämen wir denn da hin, wenn wir davon abweichen würden. Sie können Ihre Klage ja dort Ihrem Richter vortragen.
Bitte, erheben Sie sich. Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil: Die Klage wird abgewiesen … die Kosten des Verfahrens trägt der Kläger.“

Durgur: „Die Wesen sagen ‚Recht und Ordnung‘, handeln nach ‚Ordnung statt Recht‘ …“

Barefli: „… so wurde Ordnung zu Unrecht, Naturrecht …“

Bófi: „… zu Menschenrecht, Demokratie …“

Durgur, Bófi und Barefli: „ … zur Diktatur der Masse, und Leben zu Spiel mit zu kurzen Stäbchen.“

“Satt und gewaschen
reite  der Mensch zur Versammlung,
wähnt sich unbekleidet.
Schuhe und Hose
tadelt keinen Mensch,
auch nicht ein Pferd
wenngleich er kein gutes hat.”

(Hávamál, Vers 61)

isLítið á enda