Wie die Zukunft, schwarz und bitter?

Lljósmynd:  © Bernhild Vögel

Die isländische Sprache kennt zwei Verben für das deutsche Wort „schreiben“: „skrifa“ und „kvitta“. Intelligentere  Zungen behaupten, das Verb „skrifa“ solle nur  für die Herstellung literarischer Werke angewendet werden, für alles weitere genüge auch das Verb „kvitta“.

Im Jahr 1986, als überÍsland noch bei  „Völker draußen in der großen Welt … die meisten meinten, es sei von Eskimos bewohnt, die sich von Läusen ernährten“ und „es sich nur wenige leisten können, zwischen den Landesteilen hin und her zu rasen, mit Fahrrad auf dem Auto und Boot auf dem Wohnanhängerdach, ein so häufiger Anblick auf deutschen Straßen, wenn es hinaus ‚in die Natur‘ geht“-  um es mit den Worten von Guðbergur Bergsson auszudrücken -,  lag in der Buchhandlung Eymundsson der Band 3/1986, Ausgabe 143 von „die horen“ zu isländischer Nachkriegsliteratur, Kunst und Kultur, mit dem Titel „Wenn das Eisherz schlägt“, herausgegeben von Franz Gíslason, Sigurður A. Magnússon und Wolfgang Schiffer.

Dem Dichter Siguðrur Pálsson in seinem Gedicht „Auf der Straße des Gedichts“ folgend, war es damit möglich, isländische Dichtkunst der Gegenwart auch in deutscher Übersetzung zu lesen. Erfreulicherweise haben gute Gedichte kein Verfallsdatum, da zeitlos.  

Da weder Dichter noch Literat, möge daher für diese Bekanntmachung die Tätigkeit „kvitta“ angewendet werden:

Es mag sein, dass manche Leser Gedichtbände wie einen Maßkrug auf ex hinunterspülen. Eine angemessene Annäherung wäre allerdings, Gedichte wie einen guten roten Tropfen aus Barrique-Lagerung zu genießen, Schlückchen für Schlückchen schlürfend, mit viel Sauerstoff vermischt und mit Pausen dazwischen, um den Schluck im Abgang voll wirken zu lassen. Bei manchen Gedichten bleibt der Nachklang ein Leben lang,  so wie auch bei dem Gedichtband „Dass die Erde einen Buckel werfe“, Gedichte von Wolfgang Schiffer in deutscher Sprache, erhältlich am 21. Februar 2022 im deutschen Buchhandel, herausgegeben vom ELIF-Verlag. 1)

Nun, der Genuss gelänge sicherlich auch ohne Alkohol, zum Beispiel bei einer Kanne Kaffee. Ein Getränk, welches auf Ísland in jener Zeit, als noch kein Alkohol in den Restaurants und Cafes ausgeschenkt wurde, in 1 Literkannen serviert wurde. Demnach in jener Zeit, als auch noch keiner fragte, wie man denn den Kaffee wünsche. Heutzutage, wo die diversen möglichen Varianten mit der Anzahl an Varianten zu wohlfeilem Hunde- und Katzenfutter konkurrieren, mag der  Gourmet auf jene Art und Weise antworten, welche „smart Icelandic“ genannt wird : „Wie die Zukunft, schwarz und bitter.“

Nur soviel: Solange es Gedichte gibt, gibt es auch Anlass zur Hoffnung, dass die Zukunft nicht schwarz und bitter werde.  Es wäre daher zu wünschen, dass eines Tages das Gedicht „Lamento und Eingeständnis“ des Dichters Wolfgang Schiffer als öffentlicher „Sprechakt“ (Manifest) von allen Lesern unterzeichnet werden könne, mit dem Versprechen, von nun an damit zu beginnen, diesem Irrsinn abzuschwören und im Sinne des Verfassers durch Taten und Unterlassungen die Welt endlich in eine Lebenswertere aktiv zu verändern.

Bleibt noch zu wünschen, dass alle Gedichte des Dichters Wolfgang Schiffer eines Tages auch in isländischer Übersetzung erhältlich sind, und dass er fortsetzen möge, indem er noch weitere Gedichte hinzufüge; dass seine Hände weiterhin um seine Gunst buhlen, um es mit den Worten des Dichters Werner Friebel auszudrücken:

Die Hände buhlen um meine Gunst

Fleißig zieht die Rechte
Tintenbahnen über’s Blatt:
Hüpft unterwürfig dienstbereit,
meinen Gedanken Form zu geben;

derweil die Linke ruht
und katzenartig eingerollt
den Augenblick erschnurrt,
meinem Mund den Wein zu reichen.

1) „Dass die Erde einen Buckel werfe“. Gedichte, ELIF Verlag, Nettetal 2022, ISBN 978-3-946989-43-1

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