{"id":604,"date":"2015-11-09T18:23:22","date_gmt":"2015-11-09T17:23:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.algorithmics.is\/wordpress\/?p=604"},"modified":"2016-03-04T09:23:13","modified_gmt":"2016-03-04T08:23:13","slug":"im-aether-unterwegs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.algorithmics.is\/wordpress\/de\/2015\/11\/09\/im-aether-unterwegs\/","title":{"rendered":"Im \u00c4ther unterwegs"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.algorithmics.is\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/troll-imadeWEB-1.gif\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"26\" data-permalink=\"https:\/\/www.algorithmics.is\/wordpress\/de\/2015\/08\/17\/die-baeckersfrau\/troll-imadeweb-1\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.algorithmics.is\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/troll-imadeWEB-1.gif?fit=258%2C203&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"258,203\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"troll-imadeWEB-1\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.algorithmics.is\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/troll-imadeWEB-1.gif?fit=258%2C203&amp;ssl=1\" class=\"alignleft wp-image-26\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.algorithmics.is\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/troll-imadeWEB-1.gif?resize=80%2C63\" alt=\"troll-imadeWEB-1\" width=\"80\" height=\"63\" \/><\/a>Kein Isl\u00e4nder k\u00e4me auf die absurde Idee, die Ausrichtung eines Musikfestivals f\u00fcr den Kern der Einwohner zu halten, als die Quintessenz, als <em>mergur<\/em> und <em>kjarni, <\/em>was den <em>Kern<\/em> bezeichne. F\u00fcr Isl\u00e4nder kann Musik nur <em>upploft <\/em>sein, \u00fcber der Luft, sprich: <em>\u00c4ther<\/em>. Auf Englisch: <em>Airwaves<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Isl\u00e4nder sind vermutlich immun gegen den groben Unfug der Erbsenz\u00e4hlerei und wohlfeilen Substantivierung. Ein Unfug, der sich zum Beispiel darin zeigt, dass irgendeiner das bereits im Gebrauch befindliche Wort f\u00fcr eine T\u00e4tigkeit oder eine Eigenschaft substantiviert, andere diesem diverse Adjektive zuweisen, und damit s\u00e4mtliche Voraussetzungen erf\u00fcllen, um auf Jahrhunderte hinaus mit Pro- und Contra-Argumenten mehrere Bibliotheken f\u00fcllen zu k\u00f6nnen. So wird aus einer Situation, in der einer lauthals lachte, das \u201eLachen\u201c. Dass jener in dieser Situation lachte, weil er den Satz \u201e\u201eWer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen!\u201c las, ist irrelevant. Ist es doch das \u201eLachen\u201c, was ihn dazu veranlasse, und nicht der konkrete Fall. Denn g\u00e4be es \u201edas Lachen\u201c nicht, \u2026 den Bibliotheken mag die Fortsetzung des Satzes erspart bleiben. Sie sind schon voll genug. Zudem lachen Isl\u00e4nder \u00f6fters als jene, die dazu erst in einen Keller m\u00fcssen. Und schreiben lieber Erz\u00e4hlungen und Gedichte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Entgegengesetzt verh\u00e4lt es sich bei solchen Ereignissen, wo einer ein Wort sch\u00f6pft, um \u00fcber dieses eine \u00fcbergeordnete Klasse bezeichnen zu k\u00f6nnen, die er durch seine Analyse entdeckte, f\u00fcr welche aber noch kein geeignetes Wort gepr\u00e4gt war, was in moderner Zeit eine <em>Generalisierung<\/em> genannt, die das Gemeinsame abstrahiert, und dem dadurch Entstandenem einen Bezeichner gibt, damit auf ihn Bezug genommen werden k\u00f6nne. Wer in seinem Leben schon einmal einen <em>Fiat<\/em>, einen <em>Mercedes<\/em>, einen <em>Ford<\/em> und einen <em>VW<\/em> gesehen hat, wird best\u00e4tigen, dass diese <em>konkret<\/em> sind und irgendwann einmal zu Rost zerbr\u00f6selten, also ihre Zeit hatten, und d\u00fcrfte best\u00e4tigen, dass das Wort <em>Auto<\/em> deswegen nicht zerbr\u00f6selte. Keiner k\u00e4me auf die Idee, dem Auto <em>Sein<\/em> zumessen zu m\u00fcssen wie den vier Exemplaren, die zu Rost zerbr\u00f6selten. Und g\u00e4be es kein einziges der Exemplare, das Wort <em>Auto<\/em> h\u00e4tte seinen <em>Zweck<\/em> verloren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_605\" aria-describedby=\"caption-attachment-605\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.algorithmics.is\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC00214.gif\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"605\" data-permalink=\"https:\/\/www.algorithmics.is\/wordpress\/de\/2015\/11\/09\/im-aether-unterwegs\/dsc00214\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.algorithmics.is\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC00214.gif?fit=4608%2C3456&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"4608,3456\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"DSC00214\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.algorithmics.is\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC00214.gif?fit=474%2C356&amp;ssl=1\" class=\"wp-image-605 size-medium\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.algorithmics.is\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC00214-300x225.gif?resize=300%2C225\" alt=\"DSC00214\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.algorithmics.is\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC00214.gif?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.algorithmics.is\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC00214.gif?resize=1024%2C768&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www.algorithmics.is\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC00214.gif?w=948&amp;ssl=1 948w, https:\/\/i0.wp.com\/www.algorithmics.is\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC00214.gif?w=1422&amp;ssl=1 1422w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-605\" class=\"wp-caption-text\">Location: Modehaus (Dikta)<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Geburtsstunde des Bezeichners <em>\u00c4ther<\/em> liegt nun schon 2.300 Jahre zur\u00fcck. Neben sonstigem Unfug sah sich das Mittelalter gem\u00fc\u00dfigt, das Wort durch das Wort <em>Quintessenz<\/em> zu ersetzen, was das <em>f\u00fcnfte Seiende<\/em> bezeichne, ma\u00df diesem \u2013 so das Selbstverst\u00e4ndnis der Gebrauchenden \u2013 die Bedeutung \u201e<em>das Wesentliche<\/em>\u201c, \u201e<em>das<\/em> <em>Wichtigst<\/em>e\u201c zu, womit auch der <em>Hauptgedanke<\/em> einer <em>Argumentation<\/em> gemeint.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun w\u00e4re anzumerken, dass der Sch\u00f6pfer des Bezeichners damals einfach vier bereits vorhandene Bezeichner, die vier Dinge bezeichneten, aufgriff, diese analysierte, und feststellte, dass diese vier Dinge zwei Grundeigenschaften zugeordnet werden k\u00f6nne, wobei eine als Temperatur bekannt sei, die andere als Feuchtigkeitsgrad, und entwickelte dar\u00fcber einen neuen Begriff, der alle vier Bezeichner umfasse, will sagen: deren Eigenschaften allesamt erbe: der <em>\u00c4ther<\/em>. Da er nicht blind war wie seine Vorg\u00e4nger, die blind behaupteten, das einzige Unverg\u00e4ngliche seien die vier Elemente, und auch auf Einstein nicht warten konnte, sah er sich gezwungen, selbst zu verk\u00fcnden, dass die vier Elemente keineswegs unver\u00e4nderlich seien, sondern sich ineinander umwandeln k\u00f6nnten, die Summe aus den Vieren jedoch unver\u00e4nderlich und zeitlos sei. Dieser Vorgang bei einer Analyse wird <em>Generalisierung<\/em> genannt, der sich von <em>Pauschalisierung<\/em> dadurch unterscheidet, dass der Oberbegriff alle Eigenschaften der ihm zugeordneten Begriffe erbt, was bei Pauschalisierung nicht der Fall ist. Der Oberbegriff ist jedoch \u00fcber die Summe der durch Generalisierung geerbten Eigenschaften keineswegs beschrieben, sondern nur, dass der Oberbegriff auch \u00fcber deren Eigenschaften verf\u00fcge, zu jenen, \u00fcber die er sonst noch verf\u00fcge, die jedoch nicht Eigenschaften der zugeordneten Begriffe sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein jeder d\u00fcrfte die Aussage dieses damals lebenden Gr\u00fcblers \u00fcber die vier Elemente best\u00e4tigen k\u00f6nnen. So er kein Erbsenz\u00e4hler ist. Erbsenz\u00e4hler sehen vier Erbsen, was sie dazu bringt, eine f\u00fcnfte Erbse zu sehen, was sie \u2013folgerichtig \u2013 dann <em>Quintessenz<\/em> nennen. Was denen logisch erscheint, denn wozu wurden sonst die Modalverben erfunden, die es in jener Zeit und an jenem Ort, als das Wort <em>\u00c4ther<\/em> einer Beschreibung zugef\u00fchrt, in der Grammatik noch gar nicht gegeben hatte. Das <em>Eigentliche<\/em>, <em>Wesenhafte<\/em>, das <em>Ergebnis<\/em> eines solchen Vorgangs, das Wort \u00c4ther durch Quintessenz zu ersetzen? Aus Vier mach F\u00fcnf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was erzwungen. Denn im Gegensatz zu dem Sch\u00f6pfer der Zuweisung\u00a0 <em>\u00c4ther <\/em>gingen die Philosophen des Mittelalters davon aus, dass das Universum Anfang und Ende habe, die Seele nur Anfang und kein Ende, und es einen Plural zu dem Wort \u201eIntellekt\u201c geben m\u00fcsse. Nach dem Mittelalter spalteten sich die \u201eIntellektuellen\u201c dann in Atheisten, die der Seele ein Ende zuwiesen, und Klerikern, die dies nicht taten. Alle anderen Punkte blieben zwischen den Kontrahenten weiterhin unstrittig, auch wenn deren Erz\u00e4hlungen in Folge etwas unterschiedlich ausfielen: was den Anfang des Universums betraf, war es bei den einen ein Gott, bei den anderen ein Urknall.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Isl\u00e4nder sind nicht unbedingt bekannt daf\u00fcr, dass sie gerne Befehle entgegennehmen. Wittgenstein schien es geahnt zu haben, als er den Satz niederschrieb: \u201eBefehle werden manchmal nicht befolgt. Wie aber w\u00fcrde es aussehen, wenn Befehle nie befolgt w\u00fcrden? Der Begriff <em>Befehl<\/em> h\u00e4tte seinen Zweck verloren.\u201c Und so kam, was kommen musste: Die Isl\u00e4nder nannten ihr Musikfestival nicht etwa <em>Quintessenz<\/em>, sondern <em>\u00c4ther<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon das Konstrukt des \u00c4thers, so nennen die Isl\u00e4nder ihr Musikfestival, das seit 1999 jedes Jahr veranstaltet wird, zeigt deutlich, dass Isl\u00e4nder zwar die F\u00fcnf oft und gerne gerade sein lassen, aber keineswegs davon ausgehen, dass es ein f\u00fcnftes Seiendes gebe. F\u00fcr Isl\u00e4nder gibt es Feuer, Wasser, Luft und Erde, und die Probleme und L\u00f6sungen, die einem aus diesen Vieren erwachsen, sind ihnen schon ausreichend genug. Sie wissen, wo das Land den Menschen formt, zeigt es ihm auch die Grenzen auf, will er das Land formen. Allerdings gebe es da noch den unwandelbaren und zeitlosen \u00c4ther, innerhalb dessen die vier Elemente sich ineinander umwandeln, und der die Eigenschaften der vier Elemente erbe. Was da geerbt, k\u00f6nne jedoch nur dann sich ann\u00e4hernd vorgestellt werden, wenn alle Ergebnisse die M\u00f6glichkeit h\u00e4tten, sich als Ergebnis auch zu pr\u00e4sentieren, da de facto vorhanden. Was vermutlich dazu f\u00fchrte, dass jede Formation aus Musikern, so sie einmal auf den Airwaves aufgetreten, nie wieder bei den Airwaves auftreten darf, und f\u00fcr jeden Gig einer Band in den zahllosen Pubs und <a href=\"http:\/\/icelandreview.com\/de\/kulturblick\/2015\/11\/09\/ein-streifzug-durch-die-airwaves\">sonstigen Lokationen<\/a> nur 20 Minuten gew\u00e4hrt werden. Was Sinn mache, denn im anderen Fall w\u00e4re nur ein Teilsegment sichtbar, und wer wolle entscheiden, welches sichtbar werden d\u00fcrfe und welches nicht? Das f\u00fcnfte Seiende? Dies w\u00e4re zwar m\u00f6glich, allerdings w\u00e4re dann nur jenes als Seiendes im \u00c4ther vorhanden, was irgendwelchen Vorstellungen irgendwelcher Personen gen\u00fcgte, und nicht jenes, was da ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allerdings wird es mit den 20 Minuten nicht so genau genommen. Da kann es schon sein, dass eine Band wie <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Wo0HEWLyHds\"><em>Bubbi of Dimma<\/em><\/a> oder andere Bands l\u00e4nger als 20 Minuten spielen. Was kein Problem ist, denn Isl\u00e4nder sind keine Polizisten. Oder dass das Konzert, das traditionell am dritten Oktoberwochenende veranstaltet werde, erst in der ersten Novemberwoche stattfindet. F\u00fcr Isl\u00e4nder ist Zeit nicht jenes, was die Uhr sagt, sondern jenes, wof\u00fcr sie diese verwenden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der reinste Albtraum. F\u00fcr solche, die sich r\u00fchmen, dass sie genau w\u00fcssten, was gute Musik von schlechter Musik unterscheide, und dies die Motivation w\u00e4re, die sie dazu triebe, Konzerte veranstalten zu m\u00fcssen. Nicht jedoch f\u00fcr Musiker und solche, die an Musik und Rhythmus interessiert. F\u00fchrten die Musiker doch ein Selbstgespr\u00e4ch in jenem Augenblick, in dem sie erstmals T\u00f6ne und Rhythmen zu einem Musikst\u00fcck aneinanderreihten, jene Stimmungen in Musik \u00fcberf\u00fchrend, welche die spezifischen Wandlungen der vier Elemente in ihnen weckten, und sollten sie dies in einer Gruppe tun, dann entstand daraus nichts anderes als die Summe der Selbstgespr\u00e4che der daran Beteiligten, \u00fcber die eine Einigung herbeigef\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gibt es doch zwei Sichtweisen bei jeder Wertzumessung. Diejenige, welche das Bewirkte, und jene, die das Bewirkende sieht. Isl\u00e4ndern ist der Unterschied gel\u00e4ufig. Kennen sie doch die S\u00e4tze, die Halldor Laxness vor 60 Jahren den tausenden Isl\u00e4ndern im Hafen von Reykjavik zurief, die zum Kai gekommen waren, um ihn, der gerade den Literaturnobelpreis erhalten hatte, willkommen zu hei\u00dfen: \u201cEinmal mehr will ich ein kleines Zitat benutzen, welches ich zuvor schon benutzt habe, \u00fcber einen Poeten, der seiner Liebsten ein Gedicht schickte, eine ganze Gedichtserie. Als sie ihm daf\u00fcr dankte, sagte er die folgenden Worte in Versform: &#8218;<em>Danke<\/em> <em>mir nicht f\u00fcr die Gedichte, denn du warst es, die du sie mir vorher gegeben hattest<\/em>.&#8217;\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und ist da einer, der bezweifelt, dass die Musikst\u00fccke zeitlos und unver\u00e4nderlich sind, er mag ein Ger\u00e4t entwickeln, und es in 100 Jahren 10,5 Millionen Kilometer entfernt von Reykjavik aufstellen. Ein Ger\u00e4t, das intelligent genug konstruiert ist, um die Schallwellen soweit verst\u00e4rken zu k\u00f6nnen, dass sein Ohr vernehmen kann, was an dieser Stelle in diesem Augenblick durch den \u00c4ther schwirrt. Und es gibt keinen, der dies verhindern k\u00f6nne, mit der Behauptung, es handle sich da um gute oder schlechte Musik. Er darf es dann selbst entscheiden. Wer nicht so lange warten mag, m\u00f6ge sich auf Island gleich auf einem der zahlreichen Festivals sein eigenes Urteil bilden. Ist es doch so: was dem einen nur Ger\u00e4usch, ist dem anderen Musik. Und damit Musik den \u00c4ther nicht nur zu Beginn des Winters bereichere, darum k\u00fcmmern sich allj\u00e4hrlich zahlreiche weitere <a href=\"http:\/\/icelandmusic.is\/Festivals\/\">Musikfestivals<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kein Isl\u00e4nder k\u00e4me auf die absurde Idee, die Ausrichtung eines Musikfestivals f\u00fcr den Kern der Einwohner zu halten, als die Quintessenz, als mergur und kjarni, was den Kern bezeichne. F\u00fcr Isl\u00e4nder kann Musik nur upploft sein, \u00fcber der Luft, sprich: \u00c4ther. Auf Englisch: Airwaves. 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Februar 2022","format":false,"excerpt":"Llj\u00f3smynd: \u00a0\u00a9 Bernhild V\u00f6gel Die isl\u00e4ndische Sprache kennt zwei Verben f\u00fcr das deutsche Wort \u201eschreiben\u201c: \u201eskrifa\u201c und \u201ekvitta\u201c. Intelligentere \u00a0Zungen behaupten, das Verb \u201eskrifa\u201c solle nur \u00a0f\u00fcr die Herstellung literarischer Werke angewendet werden, f\u00fcr alles weitere gen\u00fcge auch das Verb \u201ekvitta\u201c. 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