{"id":2793,"date":"2022-12-16T14:14:34","date_gmt":"2022-12-16T13:14:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.algorithmics.is\/wordpress\/?p=2793"},"modified":"2022-12-16T14:57:21","modified_gmt":"2022-12-16T13:57:21","slug":"ein-weihnachtsmaerchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.algorithmics.is\/wordpress\/de\/2022\/12\/16\/ein-weihnachtsmaerchen\/","title":{"rendered":"Ein Weihnachtsm\u00e4rchen"},"content":{"rendered":"\n<p>Da die n\u00e4chsten Tage allgemein mit dem Eigenschaftswort \u201ebesinnlich\u201c verkn\u00fcpft werden, gew\u00e4hrt bekanntlich die Trollfrau Gryla auf Island allj\u00e4hrlich ab dem 12. Dezember ihren 13 S\u00f6hnen (J\u00f3lasveinar) Freigang, jeden Tag ein weiterer, welcher sich daraufhin unters Volk mischt:<\/p>\n\n\n\n<p>12. Dezember&nbsp;&nbsp;&nbsp; Stekkjarstaur &#8211; ist vor allem an der Milch der Schafe interessiert<br>13. Dezember&nbsp;&nbsp;&nbsp; Giljagaur \u2013 er mag sehr gerne den Schaum der Kuhmilch<br>14. Dezember&nbsp;&nbsp;&nbsp; St\u00fafur \u2013 sch\u00e4tzt angebrannte Reste in einer Pfanne<br>15. Dezember&nbsp;&nbsp;&nbsp; \u00dev\u00f6rusleikir \u2013 schleckt gerne Kochl\u00f6ffel blitzblank<br>16. Dezember&nbsp;&nbsp;&nbsp; Pottasleikir \u2013 macht sich an den Resten in Kocht\u00f6pfen zu schaffen<br>17. Dezember&nbsp;&nbsp;&nbsp; Askasleikir \u2013 sch\u00e4tzt den Inhalt h\u00f6lzener Sch\u00fcsseln (Askur)<br>18. Dezember&nbsp;&nbsp;&nbsp; Hur\u00f0askellir \u2013 schl\u00e4gt am liebsten laut T\u00fcren zu<br>19. Dezember&nbsp;&nbsp;&nbsp; Skyrg\u00e1mur \u2013 ist gierig nach isl\u00e4ndischem Skyr (nicht zu verwechseln mit dem, was in Deutschland f\u00e4lschlicherweise unter dem Namen \u201eSkyr\u201c verkauft wird!)<br>20. Dezember&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bj\u00fagnakr\u00e6kir \u2013 macht Jagd auf ger\u00e4ucherte W\u00fcrste<br>21. Dezember&nbsp;&nbsp;&nbsp; Gluggag\u00e6gir \u2013 glotzt gerne durch Fenster in Wohnungen (was auch gerne Passagiere einlaufender Kreuzfahrtschiffe tun)<br>22. Dezember&nbsp;&nbsp;&nbsp; G\u00e1tta\u00feefur \u2013 schn\u00fcffelt gerne nach frischem Weihnachtsbrot (Laufabrau\u00f0)<br>23. Dezember&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ketkr\u00f3kur \u2013 schon ist der Weihnachtsbraten futsch<br>24. Dezember&nbsp;&nbsp;&nbsp; Kertasn\u00edkir \u2013 klaut Kerzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da die isl\u00e4ndischen Kinder dies wissen, stellen sie jeden Abend w\u00e4hrend der 13 Tage ihre Schuhe auf den Fenstersims, f\u00fcr den Fall, dass die Trolle etwas mitbringen. Das kann gut gehen, oder auch nicht, denn die Trolle \u00fcberreichen ihre Gabe in Abh\u00e4ngigkeit davon, ob das Kind Unsitten hat einrei\u00dfen lassen oder das Jahr \u00fcber gesittet handelte. Gab es Anlass zur Beanstandung, so fand das Kind am n\u00e4chsten Morgen eine Kartoffel im Schuh, als Zeichen daf\u00fcr, dass es bitte n\u00e4chstes Jahr etwas zur Besinnung kommen m\u00f6ge.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun, der aufgekl\u00e4rte Mensch der wissenschaftsbasierten Informationsgesellschaft mag dies f\u00fcr ein M\u00e4rchen halten. Allerdings sind Isl\u00e4nder abw\u00e4gende Menschen, und gehen lieber auf Nummer sicher, was dazu f\u00fchrt, dass Stra\u00dfen in \u00cdsland gelegentlich einen Bogen um einen Findling machen, denn es k\u00f6nnte sich ja darunter ein Tr\u00f6ll befinden, und deren Rache ist allgemein gef\u00fcrchtet. Man wei\u00df ja nie \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00fcberwiegende Masse der aufgekl\u00e4rten Menschen au\u00dferhalb von \u00cdsland tangiert das nur peripher. Gen\u00fcgt diesen doch \u2013 so ist zu lesen &#8211; bereits der Glaube zu wissen, wo der Bartl den Most holt, so dass auch Halbwissen vollauf gen\u00fcge, um sich sein Vorurteil bilden zu k\u00f6nnen; in der Regel auf simplen Pauschalisierungen gegr\u00fcndet, denn es w\u00e4re doch eindeutig zu viel verlangt, sich auch noch um eine differenzierte Betrachtungsweise bem\u00fchen zu sollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und somit steht nicht zu bef\u00fcrchten, dass einer einen Schaden dadurch erleide, w\u00fcrde dem isl\u00e4ndischen M\u00e4rchen ein weiteres M\u00e4rchen aus einem anderen Land hinzugef\u00fcgt. Das M\u00e4rchen von Oumi Khadischa.<\/p>\n\n\n\n<p>Jenseits des Begriffs \u201eKulturen\u201c, dem Plural eines hei\u00df umworbenen, strittigen und daher undefiniertem Singulars, den irgendwelche Dumpfbacken 1996 zum Anlass nahmen, von einem \u201eKampf der Kulturen\u201c (The Clash of Civilisations) zu faseln, um sich als hilfreiche \u201eWeltpolizei\u201c aufspielen zu d\u00fcrfen, w\u00e4re schon viel gewonnen, sollte einem Leser im Bedarfsfalle auch noch d\u00e4mmern, dass der Plural von \u201eKultur\u201c und allem, was damit aus niedrigen Beweggr\u00fcnden heraus kolportiert wird, nur grober Unfug sein kann. Was da bisweilen mit dem Plural \u201eKulturen\u201c kolportiert wird, erf\u00fcllt noch nicht einmal die Mindestanforderungen an eine \u201eZivilisation\u201c, da eine solche zwischen \u201eZivilisation\u201c und \u201eSitte \/ Brauch\u201c zu unterscheiden w\u00fcsste, wie zum Beispiel das isl\u00e4ndische Wort \u201emenning\u201c (Kultur) belegt, welchem im Kontrast hierzu signifikante Benennungen gegen\u00fcberstehen: h\u00e1ttur, lenska, si\u00f0ur (Brauch\/Sitte), si\u00f0venja (Tradition), vani (Angewohnheit, Gepflogenheit, Gewohnheit) und venja (Praxis).<\/p>\n\n\n\n<p>Oumi Khadischa war die Urenkelin jener Frau, zu deren Ehren zwischen Menzel Bourguiba und Mateur auf einem H\u00fcgel ein Marabout errichtet wurde, welcher ihren Leichnam birgt.&nbsp; Zu diesem Marabout f\u00fchren genau 100 Stufen und jede Stufe hatte eine gewisse Bedeutung. Unten, neben der ersten Stufe, war ihr Ehemann bestattet. Nun, dies ist weder eine Herabw\u00fcrdigung noch eine Geringsch\u00e4tzung. Verh\u00e4lt es sich doch so, dass in jener Gemeinschaft, welche das Marabout f\u00fcr Oumi Khadischas Urgro\u00dfmutter errichtete, die Frau der Herr im Haus ist und der Ehemann nur Gast. So darf der Ehemann in jener Gemeinschaft nur jemanden in das Haus einladen, wenn er vorher seine Ehefrau gefragt und diese es gestattet habe. Seine Ehefrau hingegen kann einladen wen immer sie will, ohne ihren Ehemann fragen zu m\u00fcssen. Ist dem Ehemann der Gast nicht willkommen, so verweist ihn die Ehefrau auf seine M\u00f6glichkeit, die ihm frei stehe und niemand \u00fcbel nehmen werde: Das Haus hat zwei T\u00fcren.<\/p>\n\n\n\n<p>Es handelt sich demnach nur um die Fortsetzung dieser Regel \u00fcber den Tod hinaus, ist doch das Marabout das Haus von Oumi Khadischas Urgro\u00dfmutter, welches auch oft von zahllosen Leuten aufgesucht wird und diese auch alle stets willkommen sind, da diese sich spirituellen Beistand erbitten. Allerdings k\u00f6nnte der Ehemann nicht mehr die M\u00f6glichkeit der zwei T\u00fcren nutzen, sollte ihm ein Besucher missfallen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu Lebzeiten war es f\u00fcr beide viel einfacher. Er ging au\u00dfer Haus und kam nach der Verabschiedung des Gastes wieder zur\u00fcck. Sollte der Besucher hingegen unerwartet vor der T\u00fcr stehen und als Gast f\u00fcr beide Ehepartner nicht willkommen sein, so verbietet es die gute Sitte, den Besucher abzuweisen. Der Besucher wird folglich freundlich hereingebeten und erh\u00e4lt wie jeder Gast zuerst einen arabischen Kaffee, bevor der Plausch beginnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Kaffee ist bekanntlich jenes Getr\u00e4nk, welches die Eigenschaft besitzt, den Blutkreislauf etwas anzuregen, womit das Gehirn etwas besser durchblutet wird, was geeignet ist, die geistigen F\u00e4higkeiten zu f\u00f6rdern. Einst aus \u00c4thiopien von Karawanen durch die W\u00fcste in den Norden transportiert, trat der Kaffee seinen Siegeszug in die ganze Welt an, von den arabischen L\u00e4ndern \u00fcber die T\u00fcrkei nach Wien, um dann in Folge &#8211; vom Wiener Cafe ausgehend &#8211; in so seltsamen Establishments j\u00e4mmerlich und geschmacklos&nbsp; zu verenden, welche so unverst\u00e4ndliche Namen wie zum Beispiel &#8222;Starbucks&#8220; tragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Brauch, bei arabischem Kaffee zu plauschen, er\u00f6ffnet den beiden Ehepartnern die M\u00f6glichkeit, dem Besucher nonverbal mitzuteilen, dass er hier in diesem Haus unerw\u00fcnscht sei. Verh\u00e4lt es sich doch so, dass in arabischen L\u00e4ndern der Kaffee aromatisiert getrunken wird, somit nicht nur Kaffee und Zucker in das Wasser gegeben wird, sondern auch Kardamom, Rosenwasser, etc., je nach Gusto. Wird allerdings ein ungebetener Gast bewirtet, so kommen die Aromen bei der Zubereitung des Kaffees nicht in den Kaffeepott, sondern in die Tassen, mit Ausnahme jener Tasse selbstverst\u00e4ndlich, welche der Besucher bekommt. Ist der Besucher intelligent, wird er von weiteren Besuchen Abstand nehmen. B\u00f6se Zungen behaupten, dass dies die Ursache sei, warum der Kaffee in arabischen L\u00e4ndern aromatisiert getrunken wird und in der T\u00fcrkei nur als Mokka.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch nicht nur die Aromen erm\u00f6glichen bei Zusammenk\u00fcnften eine nonverbale Kommunikation. Begibt sich zum Beispiel ein junger Mann auf Brautschau, so ist es gute Sitte, dass der junge Mann mit seinem Vater um die Hand der Tochter bei deren Vater anh\u00e4lt, denn es gebietet der Respekt, dass entscheidende Unterhaltungen auf Augenh\u00f6he stattfinden, also zwischen einer Generation, und nicht zwischen einer Generation und einer nachgekommenen Generation. Der Plausch beginnt mit dies und das, denn es gilt als unfreundlich, gleich mit der T\u00fcr ins Haus zu fallen. Dies gibt der Angebeteten die M\u00f6glichkeit, den arabischen Kaffee zuzubereiten. Was tut diese? Sie entscheidet, ob der Zucker in den Kaffeepott kommt, oder in die Tassen. M\u00f6chte sie den Antrag des jungen Mannes annehmen, so kocht sie den Kaffee mit Zucker, lehnt sie den Antrag des jungen Mannes ab, so kommt der Zucker in die Tassen, allerdings nicht in die Tasse des jungen Mannes. Ist der Bursche intelligent genug, dann signalisiert er seinem Vater, dass er noch einen anderen wichtigen Termin habe, womit die V\u00e4ter den Plausch ausklingen lassen und sich voneinander verabschieden. Ist jedoch der Kaffee des Burschen ges\u00fc\u00dft, signalisiert er seinem Vater, dass seine Angebetete den Antrag annehmen werde. Die Besprechung der Hochzeit kann beginnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings st\u00fcrzt sich damit der junge Mann in erhebliche Schulden, muss er doch vor der Hochzeit das Brautgeld in Gold bei seiner Angebeteten abgeben. Menschen, bei denen das Maul gr\u00f6\u00dfer ist als das Wissen, erz\u00e4hlen gerne, es w\u00fcrde die Braut damit verkauft wie Kamele und das Gold von den Eltern der Braut vereinnahmt. Sie verk\u00fcnden damit nur ihr Unwissen, denn tats\u00e4chlich verh\u00e4lt es sich bei jener Gemeinschaft so, dass das Gold tats\u00e4chlich die Braut erh\u00e4lt, es ihr ungeteiltes Eigentum bis an ihr Lebensende bleibt, denn es handelt sich bei dem Gold um die Absicherung der Ehefrau f\u00fcr jenen Fall, bei dem sich der Bursche sp\u00e4ter als wankelm\u00fctiger Geselle herausstellt, sich woanders herumtreibt statt wie versprochen bei seiner Ehefrau, demnach um den vorgezogenen Scheidungsunterhalt. Dieses Gold geh\u00f6rt der Frau allein und ist niemals Gegenstand einer Erbschaft. Die Frau selbst ruft sp\u00e4ter, bevor sie stirbt, am Krankenbett die Beg\u00fcnstigten nach ihrer Wahl zu sich und gibt jedem Gerufenen nach eigenem Gutd\u00fcnken einen Teil des Goldes.<\/p>\n\n\n\n<p>Da es sich in diesem Land allerdings so verh\u00e4lt, dass die jungen Menschen nicht so verm\u00f6gend sind oder sogar arbeitslos, damit den jungen Burschen ein gro\u00dfes Unrecht zugef\u00fcgt wird, da sie somit nicht heiraten k\u00f6nnen, andererseits der Angebeteten gro\u00dfes Unrecht zugef\u00fcgt w\u00e4re, m\u00fcsste sie auf ihre Absicherung verzichten, traf Oumi Khadischas Urgro\u00dfmutter eine Entscheidung, welche seitdem gute Sitte in jener Gemeinschaft&nbsp; ist. Sollte die Braut auf das Gold selbst verzichten wollen, steht es ihr frei, bei allen Familienangeh\u00f6rigen um kleine M\u00fcnzen zu bitten, bis sie 69 Miilimes eingesammelt hat. Diese \u00fcbergibt sie dann ihrem zuk\u00fcnftigen Ehemann, auf dass er die 69 Millimes ihr \u00f6ffentlich als sein Brautgeld \u00fcberreichen k\u00f6nne. In diesem Fall ist jeder Familienangeh\u00f6rige dazu verpflichtet, die Hochzeit zu billigen und kraftvoll zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Oumi Khadischa&nbsp; war es immer eine Lust, in Pariser Gesch\u00e4ften den f\u00fcr sie passenden Schal auszusuchen; modisch genug hatte er zu sein, um ihre Weltoffenheit preiszugeben, jedoch in Farben gehalten, die ihrer tiefen Verbundenheit mit der Natur nicht widersprachen. In seiner Aufmachung und Ornamentik war dabei auf den Status ihres Stammes genauso zu achten, wie auf die Stellung, die sie innehatte. Seit sie den Titel Hajji sich erwarb, bevorzugte sie als Zeichen ihrer W\u00fcrde nur noch jenen wei\u00dfen Schal, der nur einer Hajji zustand.<\/p>\n\n\n\n<p>Eines Tages, sie wollte nach ein paar Jahren wieder Europa besuchen, bat sie darum, ihr die f\u00fcr Besuche in Deutschland erforderliche B\u00fcrgschaftserkl\u00e4rung zuzusenden, da sie noch einmal reisen m\u00f6chte, um die neuen Enkelkinder zu sehen, bevor sie sterbe.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zuge von 9\/11 hatte jedoch das deutsche Ausw\u00e4rtige Amt mit der tunesischen Regierung vereinbart, dass Tunesier, die ein Touristenvisa bei der deutschen Botschaft in Tunis beantragen, nun pers\u00f6nlich in der dortigen Visa-Abteilung zu erscheinen h\u00e4tten, ungeachtet des Alters der Person, und selbst ihre Papiere vorzulegen haben. Weibliche Besucher d\u00fcrften dabei im Gegensatz zu fr\u00fcherer Praxis die deutsche Botschaft nur noch ohne Kopfbedeckung betreten.<\/p>\n\n\n\n<p>So machte sich Oumi Khadischa , schon von ihrer schweren Krankheit gezeichnet, notgedrungen selbst auf den Weg nach Tunis, um sich in die Schlange der Antragssteller einzureihen, die bereits lange vor Sonnenaufgang vor dem Eingang der deutschen Visa-Abteilung ausharrten, um innerhalb der \u00d6ffnungszeiten noch ihren Antrag einreichen zu k\u00f6nnen, und nicht nach vergeblichem stundenlangen Warten vor dann verschlossenen T\u00fcren unverrichteter Dinge wieder heimkehren zu m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie nach mehreren Stunden endlich an dem vor dem Eingang wachhabenden Polizeibeamten stand, forderte dieser sie weisungsgem\u00e4\u00df auf, ihren Schal abzulegen, da das Betreten der Visa-Abteilung nur ohne Kopfbedeckung erlaubt sei. Oumi Khadischa&nbsp; fragte ihn, ob er denn wisse, mit wem er da spreche, und ob man ihm als Kind nicht den Respekt beigebracht h\u00e4tte, den man alten Frauen schuldig sei. Das brachte den jungen Polizeibeamten in arge Verlegenheit, war er doch nur ein junger Bursche, sie hingegen eine alte Frau, noch dazu eine Hajji, welcher er damit bereits aus zwei Gr\u00fcnden Respekt entgegenzubringen hatte; auch erregte der Disput bereits die Aufmerksamkeit der umstehenden Neugierigen.<\/p>\n\n\n\n<p>In seiner Not erkl\u00e4rte er Oumi Khadischa , dass er seinen Job verlieren w\u00fcrde, sollte er sie mit dem Schal in die deutsche Botschaft lassen. Da nahm sie pl\u00f6tzlich den Schal ab, dr\u00fcckte diesen dem jungen Burschen in die Hand, und trug ihm auf, ihren Schal solange in Sicherheitsverwahrung zu nehmen, auf ihn sorgf\u00e4ltig aufzupassen und ihn ja nicht aus den H\u00e4nden zu geben, bis sie aus der deutschen Botschaft zur\u00fcckgekehrt sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Lie\u00df den jungen Mann mit hochrotem Kopf zur\u00fcck, auf das Peinlichste vor allen Umstehenden blo\u00dfgestellt; ein stattlicher junger Kerl in Uniform, der \u00d6ffentlichkeit preisgegeben, ausgerechnet mit einem Damenschal in seiner Hand, noch dazu mit einem Schal einer Hajji, als respektabler Polizist, als Respektsperson, nun von allen Wartenden grinsend begafft.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Oumi Khadischa&nbsp; aus der Visa-Abteilung zur\u00fcckkehrte, nahm sie ihren Schal wieder an sich, und fragte den Polizisten, ob er nicht genug Anstand h\u00e4tte, da er sich bei ihr nicht bedanke; um dann dem Beamten, der nur verbl\u00fcfft und fragend in seiner offensichtlichen Betretenheit die alte Frau anstarrte, zu erkl\u00e4ren, dass sie ihm immerhin gerade seinen Arbeitsplatz gerettet habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Sagte es, und verschwand in der wartenden Menge; durch die weite Gasse, die ihr die Wartenden respektvoll anboten. <a><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Verh\u00e4lt es sich doch so, dass der Polizist wie alle Menschen eine abh\u00e4ngige Kreatur ist, wozu ihm also zus\u00e4tzliches und unn\u00f6tiges Leid bescheren.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.algorithmics.is\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Jol_2021.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"474\" height=\"279\" data-attachment-id=\"2797\" data-permalink=\"https:\/\/www.algorithmics.is\/wordpress\/de\/2022\/12\/16\/ein-weihnachtsmaerchen\/jol_2021\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.algorithmics.is\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Jol_2021.jpg?fit=785%2C462&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"785,462\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Jol_2021\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.algorithmics.is\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Jol_2021.jpg?fit=474%2C279&amp;ssl=1\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.algorithmics.is\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Jol_2021.jpg?resize=474%2C279&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-2797\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.algorithmics.is\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Jol_2021.jpg?w=785&amp;ssl=1 785w, https:\/\/i0.wp.com\/www.algorithmics.is\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Jol_2021.jpg?resize=300%2C177&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.algorithmics.is\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Jol_2021.jpg?resize=768%2C452&amp;ssl=1 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 474px) 100vw, 474px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>In diesem Sinne w\u00fcnschen wir allen Lesern besinnliche Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da die n\u00e4chsten Tage allgemein mit dem Eigenschaftswort \u201ebesinnlich\u201c verkn\u00fcpft werden, gew\u00e4hrt bekanntlich die Trollfrau Gryla auf Island allj\u00e4hrlich ab dem 12. 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