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„við“ := „wir beide“ (Dual)
„vér“ := „wir“ (Plural)

Siehe auch: https://is.wikipedia.org/wiki/%C3%9E%C3%A9run

Übersetzung:

Es heißt „Þérun“ (Sie-Form) , wenn die Pronomen „vér“ (wir) und „þér“ (Sie) verwendet werden.
In der modernen Sprache werden die Worte “ við“ und “ þið“ in Bezug auf mehr als einen verwendet, und Plural genannt.
In der alten Sprache wurden “ við“ und “ þið“ nur für zwei Personen genutzt, im so genannten Dual.
Bei mehr als zwei wurden die Pronomen “ vér“ und “ þér“ verwendet.
In der Sprache der Bibel wird dieser Modus beibehalten, vgl. „Faðir vor“ (Vater unser) da hier „vor“ (unser) auf mehr als zwei verweist.
Bei formalen oder feierlichen Angelegenheiten war “ vér“ (wir) und “ þér“ (Sie) üblich, ob eine oder mehrere Personen dabei waren.
Ein Beispiel hierfür ist „Vér Íslendingar!“ (Wir Isländer!). Die Pluralformen von Verben und Adjektiven mit „vér“ (wir) und „þér “ (Sie) werden beibehalten. Zum Beispiel: „Þér eruð frjálsir“ (Sie sind frei).

Früher duzten die meisten Beamten in Island den kleinen Mann, begehrten aber, anders zu sein und korrekt angesprochen zu werden, wie in diesem Vers beschrieben:

Ich grüße Sie, mein Hirte,
sagte ich zum Bischof.
Darauf erwiderte er:
Du musst mich deinen Herrn nennen.

Gleðilegt sumar!

Tilvera: „Was ist jenes, worauf einer mit dem Wort wir verweist?“

Ónytjungur: „Irgendetwas, zu dem sich einer zugehörig sieht,  was entweder notwendigerweise durch dessen Existenz bereits an sich gegeben, oder über eine simplifizierende Formel leicht zugänglich, was in der Regel dazu führt, dass sonstiges Vorhandene auf eine überschaubare Formel reduziert.“

Tilvera: „Was verstehst du unter Formel?“

Ónytjungur: „Die Umwandlung eines Zusammenhangs in eine Beschreibung. Wenn ich zum Beispiel meine Familie sage, dann beschreibe ich mit der Formel Familie jenen Zusammenhang, der sich daraus ergibt, dass ich sowohl meiner Frau als auch meinen Kindern zugehörig bin.“

Tilvera: „Gut, dieser Zusammenhang ergibt sich notwendigerweise bei all jenen Lebewesen, deren Eigenschaft es ist, sich fortpflanzen zu können. Übst du nicht auch einen Beruf aus, und erfüllst in diesem eine bestimmte Rolle?“

Ónytjungur: „So ist es. Wenn ich zum Beispiel mein Team sage, dann beschreibe ich mit der Formel Team jenen Zusammenhang, der sich daraus ergibt, dass ich jenen Kollegen zugehöre, die an der Erreichung eines bestimmten Ziels arbeiten.“

Tilvera : „Dabei zeige sich der Zusammenhang im gemeinsamen Ziel, nicht jedoch in Beruf und Rolle. Und gehörst du nicht einer Gattung an?“

Ónytjungur: „Auch das. Ich gehöre wie du der Gattung an, die Tröll genannt werden. Wenn ich zum Beispiel die Formel Tröll sage, dann beschreibe ich mit der Formel Tröll jenen Zusammenhang, der sich daraus ergibt, dass ich kein Schaf, kein Pferd, und auch keine andere Gattung bin, die sich signifikant von einem Tröll unterscheidet.“

Tilvera : „Gut, auch dieser Zusammenhang ergibt sich notwendigerweise durch die Tatsache, ein Lebewesen zu sein. So zählte ich jetzt schon drei wir bei dir, dabei stehe ich erst am Anfang meiner Möglichkeiten. Wie viele glaubst du, könnte ich noch finden?“

Ónytjungur: „Du weißt, dass du bei mir am Ende deiner Möglichkeiten angelangt. Du musst dich also an andere richten, wenn du weiterfragen möchtest.“

Tilvera : „Nun, du magst mir genügen. Wäre doch mit jeder weiteren Zugehörigkeit zu Irgendetwas nichts gewonnen, sondern nur verloren.“

Ónytjungur: „Du sprichst in Rätseln.“

Tilvera : „Keineswegs. Es dürfte selbst dir als Taugenichts einleuchten, dass umso komplexer die Formel, desto  geringer die Lust, diese verstehen zu wollen, da eine solche einerseits nicht eingängig,  und andererseits  sie keinen Beitrag leiste, um jenes fortzusetzen, was einfache Formel ermöglichten. Gegenüber einer komplexen Formel hat eine einfache Formel auch noch einerseits den Vorteil, dass sie leicht nachzusprechen wäre, was andererseits dazu führe, über diese  ein so genanntes Zusammengehörigkeitsgefühl generieren zu können …“

Ónytjungur: „… in der Form, dass darüber die einen hinzugezählt, somit die anderen ausgeschlossen, denn das eine ist nicht möglich ohne das andere …“

Tilvera : „… wie du ja bereits an drei Zusammenhängen aufzeigtest. Es dürfte auf der Hand liegen, dass umso mehr Zusammenhängen einer sich zugehörig fühle, desto größer sowohl  Möglichkeit wie Wahrscheinlichkeit , dass die Zugehörigkeit zu einem Zusammenhang in Konflikt gerate  mit der Zugehörigkeit zu einem anderen Zusammenhang.“

Ónytjungur: „Mit welcher Begründung?“

Sommeranfang, 20.04.2017, 23:36 Uhr

Tilvera : „Mit jener, dass Zusammenhänge, welche nicht notwendigerweise bereits durch die Tatsache gegeben, ein konkretes Individuum zu sein, solche sind, die stets durch eine simplifizierende Formel aufgestellt, welche die anderen vorhandenen künstlich geschaffenen Zusammenhänge nicht berücksichtigten, die aber nichtsdestoweniger dennoch vorhanden sind, und in aller Regel – je nach Ausprägung mehr oder weniger von solchen – sich in einem konkreten Individuum verknüpfen.“

Ónytjungur: „Du willst mir erzählen, dass simplifizierende Formeln in einem konkreten Individuum zwangsläufig Unheil  hervorrufen?“

Tilvera : „Das hängt von der Art der simplifizierenden Formel ab, und dem konkreten Individuum.“

Ónytjungur: „Es gibt nur eine Art simplifizierender Formeln. Ihr Merkmal ist, dass sie simplifizieren.“

Tilvera : „Das hängt davon ab, ob du mit simplifizierend eine übermäßige Vereinfachung oder eine zutreffende Vereinfachung meinst.“

Ónytjungur: „Und was wäre deiner Ansicht nach eine zutreffende Vereinfachung?

Tilvera : „Gesetzt den Fall, es gebe Lehre, deren Anwendung, und ein Resultat aus Anwendung …“

Ónytjungur: „Es gibt tausende Lehren, zahllose  Anwendung davon, und die Resultate …“

Tilvera : „Gemach, gemach. Gehen wir beide zuerst ganz allgemein einmal davon aus, eine Lehre stellte allgemeine und informatorische Behauptungen auf. Diese würden nun im Detail von einem konkreten Individuum auf einen besonderen Fall angewendet, der vom Allgemeinen insofern abweiche, dass dieser eben ein Detail sei, ist es dann nicht so, dass dieses konkrete Individuum dabei unweigerlich eine persönliche Erfahrung mache, was dazu führe, dass er diese Erfahrung als Lehre kodifiziere, und mit jedem solchen Ereignis den Kreislauf erneut beginne?“

Ónytjungur: „Wäre dem nicht so, wozu dann Lehre, Anwendung und Resultat?“

Tilvera : „Gut. Wie kann es dann aber dazu kommen, dass es Zusammenhänge gibt, welche Lehren dennoch aufrecht erhalten, obschon die konkrete persönliche Erfahrung eines Individuums dieser eklatant wiederspreche, dennoch solche Zusammenhänge ungerührt weiterhin behaupten, sie würden  individuelle Erfahrung repräsentieren?“

Ónytjungur: „Möglicherweise aufgrund des gleichen Musters, anhand dessen Individuen davon ausgehen, es gebe Frühling, Sommer, Herbst und Winter, dies sei überall so, und falls nicht, dann habe es eben so zu sein?“

Tilvera : „So ungefähr.“

Ónytjungur: „Nun, es gibt hier seit jeher nur Winter und Sommer, wie du weißt. Die Vorgabe, es habe aber so zu sein, dass es auch Frühling und Herbst gebe, wäre hier nur als grober Unfug eingestuft, da das Wetter ja bis heute noch nicht einmal dazu zu bewegen war, sich wenigstens an die Vorgaben Winter und Sommer zu halten.“

Tilvera : „Gut, dass du mich daran erinnerst. Heute ist ja gesetzlicher Feiertag, da der Sommeranfang gebührend begrüßt werde. Gleðilegt sumar, Ónytjungur!“

Ónytjungur: “ Gleðilegt sumar,  Tilvera“.

Im Wahrnehmungsgefängnis

Ónytjungur: „Was bringst du Neues aus der Welt der seltsamen Wesen, die immer zahlreicher die Gegend hier heimsuchen?“

Tilvera: „Es ist die Rede davon, dass jeder Schwachkopf, der den freien Willen in Frage stelle, seinen freien Willen dazu benutze, um eine Theorie zu entwickeln.“

Ónytjungur: „Und wie verhält es sich bei jenen, die darüber keine Theorie entwickeln?“

Tilvera: „Befinden sich, so der Erkennende, ebenso in einem Wahrnehmungsgefängnis. Aus diesem heraus erkenne er, dass das produktivste Vermögen die Fantasie sei.“

Ónytjungur: „Meint er mit dem Eigenschaftswort produktiv nun jenes Vermögen, viele konkrete Ergebnisse hervorbringen zu können, oder das Vermögen, schöpferisch sein zu können?“

Tilvera: „Worin läge der Unterschied?“

(Bild: Bernhild Vögel)

Ónytjungur: „Nun, gesetzt den Fall, seine Aussage treffe zu, dass er sich in einem Wahrnehmungsgefängnis befinde, wäre er ja außerstande, konkrete Ergebnisse hervorbringen zu können, könne also nur schöpferisch unterwegs sein, in dem Sinne, dass er zum Beispiel  die These aufstelle, Trolle hätten knubbelige Nasen, und würden grobe Späße treiben.  Nun ist der Vorgang, eine These aufzustellen, dass Trolle knubbelige Nasen hätten und grobe Späße treiben würden, nicht weniger oder mehr schöpferisch als die These, dass das Ding da in deiner Hand ein Apfel sei, er für Trolle genießbar wäre, sie damit ihren leeren Magen füllen könnten, und daran auch keineswegs zugrunde gehen würden, sondern nur nicht verhungerten. Die erste These wäre wie die zweite These schöpferisch, allerdings entbehrte die erste These der Eigenschaft, ein konkretes Ergebnis im Sinne von Tatsache hervorgebracht zu haben, und es ist unschwer zu erkennen, dass die erste These so abwegig ist wie die zweite zutreffend.“

Tilvera: „Er sagt, es hätte bei ihm eine Einsicht gezündet.  Die Menschen würden nur aneinander vorbeileben, sich einander nicht verstehen, sondern sich nur Bilder voneinander machen und sich überstülpen.“

Ónytjungur: „Wie kommt’s? Schließt er von sich auf andere?“

Tilvera: „Er sagt, es gebe kein höheres Ziel, denn so sei der Begriff der Evolution konzipiert. Es gebe zwar eine Höherentwicklung des Lebens, aber dies geschehe nicht aus zielgerichtetem Geschehen, sondern aus Zufallsgeschehen. Es würden jene selektiert, welche die besten Überlebenschancen hätten.“

Ónytjungur: „In der Tat. Als ich vor ein paar Jahrzehnten bei strömendem Regen über einen dieser gepflasterten Gehwege  unten im Park lief, zertrat ich aus Versehen ein paar Regenwürmer, die sich dort in Sicherheit gebracht hatten. Ihr Unglück war, dass sie hierfür sich den falschen Ort zur falschen Zeit aussuchten, wie all jene zerquetschten Regenwürmer verrieten, die vor mir bereits Fußgänger zertreten hatten. Es ist auch unbekannt, ob es sich dabei um Regenwürmer handelte, die dabei der Tod bereits ereilte, bevor sie sich fortpflanzen konnten, wie auch unbekannt, ob es sich dabei um Regenwürmer handelte, die mit Intelligenz begabt waren, oder nur um Dummköpfe. Wie auch immer, jene Regenwürmer, die sich zu jenem Zeitpunkt im Gras aufhielten, hatten sich danach fortgepflanzt. Da die Lebenserwartung der Regenwürmer zwei Jahre beträgt, müsste sich dort nun unten im Park mittlerweile die 25. Generation tummeln. Genau gesagt nur jene, die bei all den zahllosen Regenfällen der letzten Jahrzehnte nicht ausgerechnet gerade in dem Augenblick den Gehweg als einzige Zuflucht vorfanden. Nun sage mir, meint er damit jene, wenn er sagt, diese wurden nur deswegen selektiert, weil diese die besten Überlebenschancen gehabt hätten?“

Tilvera: „Nun, er geht von Rückkoppelung aus.“

Ónytjungur: „Von negativer oder positiver?“

Tilvera: „Von positiver.“

Ónytjungur: „Demnach davon, dass desto mehr, umso mehr, und desto weniger, umso weniger?“

Tilvera: „So scheint es. Er sieht Sinninseln.  Es gebe keinen Sinn, außer er werde erzeugt.“

Ónytjungur: „Und was wird unter Sinn verstanden?“

Tilvera: „Sinn sei etwas, was Einzelne oder auch ganze Kulturen, ganze Kollektive, als produktives Vermögen erzeugen in der Art und Weise, wie sie ihr Leben organisieren. Er ist der Ansicht, dass im Falle, einer hätte das Gefühl, dass sein Leben sinnlos sei, er damit eigentlich sage, dass er ein zusammenhangloses Leben führe.“

Ónytjungur: „Wäre er Philosoph, so wüsste er, dass heutzutage nur noch entweder ein zusammenhangloses Leben oder ein an Blauäugigkeit kaum zu überbietendes Leben möglich.“

Tilvera: „Mit welcher Begründung?“

Ónytjungur: „Schon einmal vom Rabbit Proof Fence gehört?“

Tilvera: „Ein Farmer führte einst in Australien 24 Karnickel ein, damit er sich dort besser heimisch fühlen könne, da …“

Ónytjungur: „Verhält es sich nicht so, dass jeder Einzelne, so er sich einem  Zusammenhang  zugehörig wähne, sich de-facto nur irgendeinem Zusammenhang anschlösse, der nur  irgendeine winzig kleine Teilmenge aller tatsächlich vorhandenen Zusammenhänge wäre? Somit alle weiteren vorhandenen Zusammenhänge schlicht und ergreifend ignorierte?“

Tilvera: „Er sagt, Schopenhauer hätte gesagt, dass die Erde ein erkalteter Planet mit einem Schimmelüberzug von Leben sei, und der Schimmel die Eigenschaft hätte, sich überall auszubreiten, auch ziemlich unappetitlich sei, es aber in­mitten des Schimmels gemütlich und warm wäre. Dies sei allerdings nur eine Metapher gewesen.“

Ónytjungur: „Beschrieb er dabei nicht jenes, was sich da bis auf den heutigen Tag zeige? Und bestünde der Sinn dessen nun darin, dass sich einer einem Zusammenhang anschließe, der nur  irgendeine winzig kleine Teilmenge aller tatsächlich vorhandenen Zusammenhänge sein kann, nur um es etwas gemütlich und warm zu haben?“

Bushaltestelle

(Bild: Bernhild Vögel)

 

Er gewähre allen Menschen, denen er begegne, einen Vorschuss an Freundlichkeit. Solcher Art, dass sein Tun oder sein  Unterlassen nicht irrtümlich als Ausdruck von Höflichkeit auszulegen sei. Denn er verabscheue Höflichkeit abgrundtief. Sie sei ihm die perfekteste Lüge, die sich als Rücksichtnahme auszugeben versteht.

Allerdings gewähre er den Vorschuss an Freundlichkeit nicht bedingungslos. Sähe er seine Freundlichkeit abgelehnt, oder gar missbraucht, und selbst er könne nicht sagen, nach welchem Maßstab er zu einer solchen Feststellung komme, ersetze er Freundlichkeit durch undurchdringbare Distanz. Bereits ein gemeinsamer Aufenthalt im gleichen Raum werde ihm dann unerträglich, mochte der Raum auch so groß sein, dass nur der Zufall den Weg des Anderen seinen Weg kreuzen könne. Er gäbe sogleich seine ursprüngliche Absicht auf, sobald er einer solchen Person gewahr werde, und verließe umgehend den Ort. Jeder andere Ort gelte ihm dann angenehmer, keine Anstrengung wäre ihm daraufhin anstrengend genug, und jegliches andere Angebot sei ihm willkommener, sei dies auch nur eine Bushaltestelle in einer eisigen Winternacht.

Das Leben sei nichts anderes als der nahtlose Übergang von der unvoreingenommenen Neugier zu begründeter Skepsis, oder in die Liebe, oder in jene Tranquilizer, die aus jedem darüber hinausgehendem wir resultieren, was unweigerlich dann der Fall sei, so dieses abgrenzende wie formalisierte wir weniger als die Gattung benenne. Diese Einstellung mache sowohl frei, wie auch einsam, und er könne beim besten Willen nicht sagen, welches von diesen zwei Ereignissen ihn mehr berühre. So sei seine Antwort gewesen, an einen wohlwollenden Belehrenden, der ihn einmal bei einer Tasse Kaffee zu einer anderen Verhaltensweise ermuntern habe wollen.

Liebe sei, so fuhr er fort, jener durch nichts heilbare Schmerz, der sich unvermittelt einstelle, wenn der andere den Raum verlasse, und der sofort verflöge, sobald der andere den Raum wieder betrete. Im Verlauf der Zeit werde dieser Schmerz dann stets durch ein wohltuendes wie begründetes Vertrauen ersetzt. Er habe sie kennenlernen dürfen, so seine Worte, und auch jenes in ausreichendem Maße, was irrtümlich für Liebe gehalten , da noch keine Möglichkeit eines Vergleichs durch Erleben vorhanden gewesen sei.

Seiner Erfahrung nach sei jedes denkbare wir, so es jenseits von Grenzen angenommen, die durch Zeitspanne einer Begegnung durchlebt, durch gemeinsame Eigenschaften gekennzeichnet, da dieses wir stets jemand erfunden habe, es auf einer schlichten vereinfachenden Formel beruhe, was dazu führe, dass darüber unvermeidbar ein Stammesverhalten verstärkt, und der Intellekt degeneriere.

Und so sei jenes wir, dem er angehöre, nichts weiteres als aneinander gereihte Perlen von Begegnungen, gemeinsam körperlich durchschrittene und geteilte Räume, und deren Dauer. Und jene Zeit, die davon getragen, auf eine weitere Perle hoffen zu können …

Und dann kam mein Bus.

Freiheit durch Bevormundung!

troll-imadeWEB-1Klerkur: „Es ist Menschenrecht, dass der Mensch Anspruch auf das Ornat anderer erhebe, also auf die Art und Weise, wie solche sich schmücken dürfen, und welche Art und Weise zu untersagen sei.“

Ónytjungur: „Das ist unübersehbar. Es war davon zu hören, dass das Management einer international agierenden Bank sogar eine E-Mail an ihre Mitarbeiter versandte, in welchem sie ihren Mitarbeitern erlaubte, ab 37 Grad im Schatten kurzärmliche Hemden tragen zu dürfen, und darauf hinwiesen, dass diese Temperatur noch nicht dazu berechtige, die Krawatte abzunehmen.“

Klerkur: „Der Unterdrückung der Frauen durch Männer ist ein Ende zu setzen.“

Ónytjungur: „Ein höchst ehrenwertes Anliegen, fürwahr.“

Klerkur: „Relativierungen der Form, es würden göttliche Gebote dagegen sprechen, oder die freie Entscheidung eines konkreten Individuums, sind ein für allemal ein Ende zu setzen.“

Ónytjungur: „Fürwahr, eine absolutistische Weltanschauung, und auch noch so widersprüchlich.“

Klerkur: „In der Tat.“

Ónytjungur: „Ich meinte Ihr Anliegen, und nicht jenes, was Sie  vorschützen.“

Klerkur: „Wie? Begründen göttliche Gebote etwa keine absolutistische Weltanschauung?“

Ónytjungur: „Das Dumme ist, dass es gar keine derartigen göttlichen Gebote gibt, in keiner Religion der Welt. Eine solche Religion ist gerade erst im Werden, wie Ihre Worte mir im Augenblick eindeutig belegen. Neu jedoch ist für mich, dass Sie davon ausgehen, Gott zu sein. Hat die neue Religion einen Namen? New-Dresscode-Age vielleicht?“

Klerkur: „Ich trete für die Menschenrechte ein, für die Gleichstellung von Mann und Frau!“

Ónytjungur: „Ein höchst ehrenwertes Anliegen, fürwahr. Aber teilten Sie mir nicht gerade mit, Sie wollten der freien Entscheidung eines Individuums ein für allemal ein Ende setzen, da diese in Ihren Augen eine Relativierung sei?“

saudi-cheikhKlerkur: „Im privaten Leben kann man weitestgehend tun was man möchte. In der Öffentlichkeit kann der Staat Regeln festlegen – das nennt man Gesellschaft.“

Ónytjungur: „Sie wollen mir erzählen, der Forderung nach Gleichstellung von Mann und Frau wäre Genüge damit getan, wenn sich die Menschen in der Öffentlichkeit an jene Regeln des Staates halten, die dieser festgelegt habe, während die Menschen im privaten Leben weitestgehend tun dürfen, was sie möchten? Wozu sollte dann Ihr neuer Gottesstaat notwendig sein? Denn wenn ich richtig informiert bin, ist dies doch längst Realität, und dies in allen Nationen der Welt.“

Klerkur: „Es ist ein Grundwert, im wahrsten Sinne des Wortes, und er ist so viel wert, dass er für die Gesellschaft nicht verhandelbar ist.“

Ónytjungur: „Nun, wenn eine Gesellschaft verlangt, dass ein logischer Widerspruch hinzunehmen und abzusegnen sei, darüber auch nicht verhandelt werden dürfe, dann begründen Sie nicht nur eine neue Religion, Sie begründeten darüber hinaus sogar auch noch eine neue Philosophie.“

Klerkur: „Wer sich nicht daran hält, und in der Öffentlichkeit mit verbotenem Ornat unterwegs ist, muss drastisch bestraft werden. Er kann ja das Land verlassen, wenn es ihm nicht passt.“

Ónytjungur: „In der Tat, eine neue Philosophie. Ich hoffe doch, die neuen Missionare dieser so genannten wissenschaftsbasierten Informationsgesellschaft berufen sich dabei nicht ausgerechnet auf eine so genannte abendländische Kultur.“

Klerkur: „Es ist abendländische Kultur!“

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(C) Zen&Senf

Ónytjungur: „Da ist mir aber etwas ganz anderes zu Ohren gekommen. Jener Information zufolge hat der Verkehr der Staaten untereinander naturgemäß eine Berührung und Mischung verschiedenartiger Lebensanschauungen zur Folge, die zu Streben nach Neuerung auf beiden Seiten führt. Und es würde in den Augen der übrigen Welt als ein starker Mangel an Bildung des Verstandes und Herzens erscheinen, wo sich der vielberufenen, verhassten Fremdenaustreibung schuldig gemacht werde, und einer Sinnesart gehuldigt werden will, die den Eindruck der Anmaßung und Unverträglichkeit macht.“

Klerkur: „Und Sie fallen auf solche Ansichten eines Trottels herein?“

Ónytjungur: „Wozu sollte ich nicht? Der, den Sie gerade Trottel genannt, hieß Platon.

Kognitive Dissonanz

troll-imadeWEB-1Ónytjungur: „Was gibt es Neues von der wissenschaftsbasierten Informationsgesellschaft zu berichten? Die jüngsten Ereignisse hier verheißen nichts Gutes.“

Tilvera: „Die Zeit der Heroen ist endlich wieder angebrochen, die seit langem vermissten Dichter und Denker sind zurückgekehrt, erleben eine Renaissance.“

Ónytjungur: „Erfreulich, erfreulich. Du hast ihre Dichtung gelesen? Ist die Prosa gefällig?“

Tilvera: „Die eingesetzte Form der Prosa, obschon aufgewärmt, da dort schon einmal erfolgreich angewandt, findet nun immer mehr Anhänger, allerdings nennen sie diese dort nun Wissenschaft.“

Ónytjungur: „Ein Fortschritt. Sind es doch die Dichter, die Wissen besitzen, wie hier jeder weiß. Und was ist das Thema? Die Natur, die Liebe, der Mensch an sich, Innenleben, …?“

Tilvera: „Es dreht sich um Fragen des wahren Menschseins. Genau genommen um Wahrnehmungen, Gedanken, Meinungen, Einstellungen, Wünsche oder Absichten. Sie nennen es Kognitionen.“

Ónytjungur: „Interessant. Ein weites Feld.“

Tilvera: „Genau genommen, ein sehr begrenztes Feld. Es geht nur um die Frage, was zu tun ist, ob einem Menschen, der vor Mördern flieht, um nicht ermordet zu werden, dabei Hab und Gut verlor, Obdach zu gewähren sei, oder nicht.“

Ónytjungur: „Wie kommt’s? Die Frage ist seit Menschengedenken längst geklärt, von Generation zu Generation, in allen Kulturen, und unwidersprochen. Was gibt es da noch zu reden?“

Tilvera: „Da gab es die denkend abwägenden Psychologen noch nicht. Diese sagen nun, dass handeln falsch sei, denn es müsse vorher erst denkend abgewogen werden. Denn werde gehandelt, ohne vorher denkend abzuwägen, wäre eine Realitätsverweigerung zu diagnostizieren, und die Ursache wäre ein pathologischer Charakter. Entstanden aus Unwissenheit, Gedankenlosigkeit, schierer Angst, die Dinge an ihr Ende zu denken, Selbstbetrug, einer mentalen Schwäche. Verantwortlich dafür seien sogenannte Gesinnungsethiker, die unerfüllbare Maximalforderungen aufstellten, und abstrakte Ideale wie eine Monstranz vor sich her trügen. So sei der abwägend Denkende nun notwendig geworden, der Möglichkeiten an der Realität abgleiche.“

Ónytjungur: „Da hat wohl einer nicht verkraftet, dass die Wirklichkeit nicht hinter dem Display blieb, welches sogar hier jeder Besucher in der Einöde vor seine Nase hält, sondern plötzlich vor dem Display auftauchte. Aber da war sie doch immer, wie du und ich wissen, nur hat das offensichtlich von denen keiner bemerkt. Was kein Wunder ist, wenn die Nase ständig am Display klebt, und damit Wahrnehmungen, Gedanken, Wünsche und Absichten auf jenes ausgerichtet, was hinter dem Display sichtbar, und nicht vor dem Display gegeben.

Tilvera: „Nun, die denkend abwägenden Psychologen sehen sich selbst als ein dem Untergang geweihter Indianerstamm im Amazonasgebiet, und beanspruchen daher, geschützt zu werden wie Tibeter in China. Sie sehen sich selbst als indigenes Volk, und beanspruchen daher Schutz gemäß Resolution 61/295, der Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte indigener Völker.“

Ónytjungur: „Lass mich raten: da diese Dichter Psychologen sind, die sich für Wissenschaftler halten, reden sie dabei keineswegs von sich, sondern selbstverständlich über andere. Ist es nicht so, dass Psychologen einmal als Beruf entstanden, um ein konkretes Individuum, das entweder für sich selbst oder für andere eine Gefahr für Leib und Leben darstellt, mit geeigneten Methoden zu therapieren, wozu  sich vordem niemand kompetent erklärte? Was haben die nun mit dem Plural zu schaffen?“

Tilvera: „Das war, bevor die denkend abwägenden Psychologen der wissenschaftsbasierten Informationsgesellschaft eine kollektive kognitive Dissonanz diagnostizierten.“

Ónytjungur: „Und was ist eine kognitive Dissonanz?“

Tilvera: „Ein unangenehm empfundenes Gefühl, das dadurch entsteht, dass ein Mensch mehrere Kognitionen hat, die nicht miteinander vereinbar sind. Sie ist situationsbedingt, und ist abhängig von getroffener Entscheidung, Gewahrwerdung, oder Verhalten.

Ónytjungur: „Ist dir eigentlich aufgefallen, dass diese Definition sich auf Einzahl bezieht, also auf ein konkretes Individuum, du aber vorher von Mehrzahl sprachst, also einem Kollektiv? Hast du auf deiner langen Reise die Fähigkeit zur Sprache verloren, fehlten dir unsere Dichter?“

Tilvera: „Ich berichte dir nur wahrheitsgetreu, bin daher auch nicht dafür verantwortlich.“

Ónytjungur: „Das hört sich alles sehr komplex an. Du machst mich neugierig. Nach derzeitigem Stand der Wissenschaft ist nur möglich, dass das Ergebnis aus Wahrnehmungen, Gedanken, Meinungen, Einstellungen, Wünsche und Absichten, das einer Person in ihrem  Leben als Summe widerfuhr, nur einzigartig sein kann, demnach nie mit einer anderen Person identisch. Du behauptest nun, dies sei nicht wahr.“

Tilvera: „Nicht ich bin es, der das behauptet. Ich bin nur derjenige, der davon berichtet. Wurdest du nie von einem Gefühl heimgesucht, dass du als unangenehm empfandst? Da du Unstimmigkeiten bei deinen Wahrnehmungen, Gedanken, Wünschen und Absichten entdecktest? Ich meine, bezogen auf deine Einstellungen und dein Verhalten.“

Ónytjungur: „Im Sommer jeden verdammten, langen Tag. Nicht aber im Winter.“

Tilvera: „Tatsächlich sind es aber nur fünf verschiedene Ereignisse, die zu einer kognitiven Dissonanz führen.“

Ónytjungur: „Dann könnte möglich sein, dass sogar ich es verstehe. Erzähl, nur keine Scheu!“

Tilvera: „Das Gefühl tritt zum Beispiel auf, wenn einer eine Entscheidung getroffen hat, obwohl die Alternativen ebenfalls attraktiv waren.“

Ónytjungur: „Mir ist ein solches Individuum schon begegnet. Es hatte sich für ein graues Auto entschieden, und war sein Leben lang totunglücklich darüber, dass es sich nicht für das rote Auto entschieden hatte. Oder der Mann, der eine Frau geheiratet hat, und dann … ich sehe aber keinen Zusammenhang …“

Tilvera: „Das Gefühl tritt auch auf, wenn einer eine Entscheidung getroffen hat, die sich als eine Fehlentscheidung herausstellte.“

Ónytjungur: „Auch das. Bei dem einen war aber die Ursache nicht die Farbe des Autos, sondern die Umgebung, die er damit aufsuchte, und bei dem anderen nicht die Ehefrau. Ich sehe immer noch keinen Zusammenhang …“

Tilvera: „Das Gefühl tritt auch dann auf, wenn einer gewahr wird, dass eine begonnene Sache anstrengender oder unangenehmer wird als erwartet.“

Ónytjungur: „Das stimmt. Der eine versuchte, mit seinem grauen Ford Fiesta die Krossa zu durchqueren, der andere jammerte darüber, dass seine Frau ihn vor die Alternative stelle, entweder wenigstens einmal in der Woche die Unterhose zu wechseln, oder auf kuscheln zu verzichten. Was hat das mit …“

Tilvera: „Das Gefühl tritt zum Beispiel auch dann auf, wenn einer große Anstrengungen auf sich genommen hat, nur um dann festzustellen, dass das Ziel den Erwartungen nicht gerecht wird.“

Ónytjungur: „Mir längst bekannt. Der eine schrie laut um Hilfe, in der Hoffnung, es höre einer die Hilferufe und eile herbei, denn das graue Auto war in der Krossa praktisch unsichtbar, wurde dadurch aber nur heiser, denn die Krossa war lauter, und der andere wechselte seine Unterhose, da war es aber schon zu spät, denn seine Frau war mittlerweile eingeschlafen. Du hast mir immer noch nicht gesagt …“

Tilvera: „Das Gefühl tritt zum Beispiel auf, wenn einer sich konträr zu seinen Überzeugungen verhält, ohne dass es dafür eine externe Rechtfertigung in Form von Nutzen bez. Belohnung oder Kosten bzw. Bestrafung gibt.“

Ónytjungur: „Auch das ist mir geläufig. Der eine war überzeugt, dass es in Italien Brücken gibt und warm ist, auch war er davon überzeugt, dass hier im Hochland Flüsse zu durchqueren sind, und er eigentlich ein geländegängiges Auto bräuchte, fuhr aber dennoch mit einem Ford Fiesta hierher, und der andere wechselte gegen seine Überzeugung jede Woche seines Lebens seine Unterhose, obschon es immer zu spät war. Was zum Teufel hat das alles damit zu tun, ob einem Menschen, der vor Mördern flieht, um nicht ermordet zu werden, dabei Hab und Gut verlor, Obdach zu gewähren ist, oder nicht?“

Tilvera: „Das Problem ist, dass dabei Einstellungen und Verhalten als widersprüchlich empfunden werden, und – da das Verhalten freiwillig geschah – eine körperliche Erregung eintrat, wofür dieses Verhalten verantwortlich ist.“

Ónytjungur: „Interessant. Gibt es eine Rettung aus dem, was da als Dilemma aufgefasst?“

Tilvera: „Die abwägend denkenden Psychologen gehen davon aus, dass dafür vier Schritte notwendig wären. Mit welchen der Schritte begonnen werde, sei unerheblich.“

Ónytjungur: „Als da sind?“

Tilvera: „Um das zugrunde liegende Problem zu lösen, wäre notwendig, den Blickwinkel zu ändern, damit neue Lösungswege erkannt werden können. Mit der Lösung verschwinde auch die Dissonanz.“

Ónytjungur: „Genial. Sobald die Menschen Kriegsflüchtlinge nicht für Kriegsflüchtlinge halten, die vor Mördern fliehen, um nicht ermordet zu werden, und dabei Hab und Gut verloren, eröffnen sich neue Lösungswege, die vordem ja deswegen nicht erkannt wurden, da ja noch die Kriegsflüchtlinge irrtümlich für Kriegsflüchtlinge gehalten wurden, die vor Mördern fliehen, um nicht ermordet zu werden, und dabei Hab und Gut verloren.“

Tilvera: „Ein anderer Schritt wäre, die Wünsche, Absichten oder Einstellungen aufzugeben.“

Ónytjungur: „Noch besser. Bieten die denkend abwägenden Psychologen auch Einrichtungen an, in denen sie Umschulungen anbieten, so dass Wünsche und Absichten, oder die Einstellung, Menschen Obdach zu gewähren, die vor Mördern fliehen, um nicht ermordet zu werden, und dabei Hab und Gut verloren, sich dahingehend verändern, diesen nicht mehr Obdach gewähren zu wollen?“

Tilvera: „Es wäre auch möglich, die körperliche Erregung zu dämpfen, was durch Sport, ausgleichende Aktivitäten, Ruhe, Vermeidung von vermeidbarem Stress, Meditation, aber auch durch Alkoholkonsum, Beruhigungsmittel, Tabak oder andere Drogen möglich wäre.

Ónytjungur: „Das bringt mich auf eine Idee. Gibt es nicht eventuell die Möglichkeit, an die abwägend denkenden Psychologen Gutscheine auszugeben, für das Fitness-Studio, oder Meditationskurse, oder Freibier bis zum abwinken? Immerhin würde dadurch erreicht werden, dass jene, die nicht von kognitiver Dissonanz befallen wie jene abwägend denkenden Psychologen, endlich von deren Geschwätz befreit werden, abwägend denkende Psychologen möglicherweise darüber sogar ihre Einstellung änderten, also eines fernen Tages Menschen in Not Obdach gewähren wollen.“

Tilvera: „Aber die abwägend denkenden Psychologen sind es doch nicht, die an kognitiver Dissonanz leiden, sondern jene, die Kriegsflüchtlingen Obdach gewähren, da die vor Mördern fliehen, um nicht ermordet zu werden, und dabei Hab und Gut verloren.“

Ónytjungur: „Soso, ist das so? Ist dir auf deinen Reisen schon einmal das Wort Gewissen begegnet?“

Tilvera: „Wo ich auch hin kam. Was aber hat das Wort mit kognitiver Dissonanz zu tun?“

Ónytjungur: „Nun, Gewissen ist das Gefühl der inneren Ruhe oder Unruhe, das in das Bewusstsein tritt, wenn eine vorgehabte, begangene oder unterlassene Tat im Einklang oder Widerspruch zu einem moralischen Grundsatz steht, der für eine Person verbindlich ist. Was wäre daraus zu schließen, ich meine, bezogen auf Psychologen, die dichten, da sie sich für Wissenschaftler halten?“

Tilvera: „Dass ein Esel ein Esel bleibt, auch wenn er eine Melone frisst?“

fr

Dissonance cognitive

Abra Cadabra

troll-imadeWEB-1Ónytjungur: „Lass uns mit unseren Sprachübungen fortfahren. Oder ist dir die Lust an geheimnisvoll klingendem sinnlosen Geschwätz verloren gegangen, weil du möglicherweise abgehört wirst?“

Tilvera: „Keineswegs. Wie wäre es mit dem Unterschied zwischen Tätigkeitsform und Leideform? Verhält es sich bei diesen Formen doch so, dass die eine Form tätig beschreibe, wodurch ein Subjekt vonnöten, das durch tätige Handlung empfange, demnach untätig.“

Ónytjungur: „Es ist offensichtlich, dass für jede tätige Handlung ein Empfänger notwendig. Wie verhält es sich mit dem Gegenteil von tätig, mit untätig? Ist unterlassen nicht auch tätig, demnach handeln?“

Tilvera: „Auch unterlassen ist tätig. Tun und Unterlassen sind nur Mittel.“

Ónytjungur: „Wie verhält es sich bei reden und schweigen?“

Tilvera: „Auch reden und schweigen sind nur Mittel.“

Ónytjungur: „Worum-willen?“

Tilvera: „Einer Absicht folgend, einem Zweck dienend, um ein Ziel zu erreichen.“

Ónytjungur: „Und wo keine Absicht vorhanden? Ich frage nur, denn ich bin kein Scholastiker. Nicht von so genannten höherem Bildungswesen geprägt.“

Tilvera: „Jede Handlung wirkt sich auf den Handelnden unmittelbar selbst aus, sei diese nun Tun oder Unterlassen, sei diese mit Absicht, oder ohne diese. Ob einer das nun will, oder nicht will. Was soll deine Frage?“

Ónytjungur: „Es heißt, Handlungen würden sich aus drei Wirklichkeiten zusammensetzen, aus Mittel und Zweck, und einer Beziehung zwischen beiden solcher Art, dass diese Aussagen bereitstelle, ob das Mittel der Handlung dem Zweck entspreche oder nicht.“

Tilvera: „Ich verstehe immer noch nicht.“

Ónytjungur: „Wenn es so ist, dass Handlungen, also tun und unterlassen, nur dann Handlungen sind, wenn diese sich aus den genannten Wirklichkeiten zusammensetzten, wäre angesichts des Zustandes, in dem sich die Welt im Augenblick uns beiden zeigt, nicht danach zu fragen, welche Zwecke da eigentlich verfolgt wurden? Ich meine, bezogen auf reden und schweigen.“

Tilvera: „Die durch das Mittel reden und schweigen verfolgten Zwecke gehorchen den zugrunde liegenden Absichten.“

Ónytjungur: „Demnach beruht der Zustand, in dem sich die Welt im Augenblick uns beiden zeigt, allein auf Absicht. Wessen Absicht? Denn Absicht erfordere notwendig wenigstens einen, der Träger der Idee. Geht doch Idee jeder Absicht voraus, da Absicht ohne Idee nicht möglich.“

Tilvera: „Demnach fragst du nach den Ideen, die zu jenem Zustand führten, in dem sich die Welt im Augenblick uns beiden zeigt.“

Ónytjungur: „So ist es. Die durch das Mittel reden und schweigen verfolgten Ideen.“

Tilvera: „Wolltest du nicht über den Unterschied von Tätigkeitsform und Leideform sprechen?“

Ónytjungur: „So ist es. Diese Formen beziehen sich allerdings auf Sprache, demnach auf reden und schreiben, nicht jedoch auf schweigen. Nun gibt es neben Ideen auch noch Gedanken, und nicht jeder Gedanke ist Idee, es ist noch nicht einmal geklärt, ob Gedanken in Sprache stattfinden oder nicht. Oder ist dir die Frage unbekannt: Hast du den Gedanken, ehe du den Ausdruck hattest?“ Was könnte geantwortet werden? Und was auf die Frage: Worin bestand der Gedanke, wie er vor dem Ausdruck vorhanden war?“

Tilvera: „Erfolgten Gedanken in einer Sprache, wäre kein Aufwand erforderlich, das Erhaltene in adäquate Sätze zu quetschen. Wie wir beide wissen, ist es jedoch …“

Ónytjungur: „Und redete ich dann das in Sätze einer Sprache gequetschte, ist es dann so, dass ich erschaffen werde während ich rede, oder so, dass ich schaffe, während ich rede? Ich frage nur, denn das eine wäre ja die Leideform, das andere die Tätigkeitsform.

Tilvera: „Sowohl das eine, wie auch das andere.“

Ónytjungur: „Soso. Was konntest du feststellen auf deinen Reisen? Ich meine, in Bezug auf Sätze, die auf solche Art und Weise einer Öffentlichkeit zugänglich gemacht?“

Tilvera: „Ich stellte fest, dass in den letzten tausend Jahren auf diese Weise Texte in solchem Umfang entstanden, dass bei genauer Betrachtung dieser Entwicklung in Summe ein exponentieller Verlauf zu konstatieren ist.“

Ónytjungur: „Wenn es so ist, dass Texte die Eigenschaft besitzen, Wissen herzustellen, so frage ich mich, wie es dann dazu komme, dass sich nach solch exponentiellem Verlauf aneinandergereihter Sätze, Texte, Bücher, die einer Öffentlichkeit zugänglich gemacht, sich die Welt in dem Zustand befinde, in dem sie im Augenblick ist.“

Tilvera: „Es verhält sich so, dass schon während noch Satz an Satz zu reihen, diese zu Text verwebend, ungezählte Unterlassungen und deren Gegenteil geschehen, die noch unvollständigen Sätze den Fakten daher nur hinterher eilen, ohne diese jedoch jemals einholen zu können. Ziehen solche Texte dann auch noch bereits vorhandene Texte aus der Vergessenheit in die Erinnerung, im Glauben, darüber etwas am gegenwärtigen Zustand ändern zu können, so übersieht diese Handhabung die faktische Mitteilung, dass diese Texte vergessen wurden, da ihnen keine Beachtung in hinreichendem Maße zuteil wurde, und es einer gewissen Naivität bedarf, anzunehmen, dies werde sich nun anders verhalten.“

Ónytjungur: „Wie verhält es sich mit den Gegenständen, die auf solche Art und Weise einer Öffentlichkeit zugänglich gemacht?“

Tilvera: „War vor Entwicklung der Medien wie Zeitung, Buch, Radio, TV und Internet die umgebende Welt für den darin sich Aufhaltenden noch nachvollziehbar, zeigt diese sich nun komplex. Wo vordem nur Wissen über unmittelbar umgebende Welt, trat die gesamte Welt, bzw. das, worüber Informationen – in welcher Form und zu welchem Zweck auch immer – her- und bereitgestellt. Mit dem Ergebnis, dass die gesamte Welt als eine solche aufgefasst, die durch solch selektierten Informationen beschrieben, damit als bereits vollumfänglich bzw. wenigstens hinreichend von breiter Masse beurteilt und angesehen.“

Ónytjungur: „Wird darüber nicht ein Irrtum herstellt, mit fatalen Folgen? Werden doch darüber Vorstellungswelten generiert, die einzig das Beschriebene als das Gegebene auffassen, und das Nichtbeschriebene als Nichtgegebenes, somit als irrelevant vernachlässigen, da es nicht beschrieben, auf welche Art und Weise auch immer.“

Tivera: „Das Problem ist, dass bei dieser Gattung in der Masse stets nur jener Gockel gehört wird, der am lautesten kräht.“

Ónytjungur: „Wäre dann nicht zu sagen, dass vordem aus unmittelbar umgebender Welt, die nur aus jenem sich zusammensetzte, was die jeweils unmittelbar umgebende Welt abwarf, sich hinreichender Sinn für jene ergab, die sich darin aufhielten? Wogegen der Sinn, den nun die Völker draußen in der großen Welt mit ihrem ganzen internationalen Denken im Bildungskoffer herstellen, sich einem nicht erschließe, es sei denn, einer gehe davon aus, so etwas erfülle bereits an sich einen Sinn, oder führe zu einem?“

Tivera: „Du vergisst, dass diese Entwicklung dazu führte, dass nun jeder ein Selfie machen kann, was vorher nicht möglich war. Was zur Vermehrung des Glücksgefühls beitrug.“

Begriff-Essentielles-Wesen-VergleichÓnytjungur: „Und wie geht es jenen, die deren Ansicht nach durch das Nichtbeschriebene hinreichend umrissen, und nun mit dem Modalverb soll bearbeitet? Ich meine jene, die auf solche Art und Weise selektierter Informationen von breiter Masse nicht erfasst, also die Nichtbeschriebenen? Wären diese dann nicht das Opfer jener Beweggründe, die dazu führten, dass eben diese Informationen aus der Vielfalt der Informationen entnommen, und nicht die sonst noch vorhandenen?“

Tivera: „Was nicht beschrieben, ist irrelevant, sonst wäre es ja beschrieben.“

Ónytjungur: „Und was wäre gewonnen, würden auch diese sich beschreiben? Ich frage nur, da du feststelltest, dass die Texte, die einer Öffentlichkeit zugänglich gemacht, bereits einen solchen Umfang angenommen, dass bei genauer Betrachtung dieser Entwicklung in Summe ein exponentieller Verlauf zu konstatieren war.“

Tivera: „Nun, es wäre wenigstens geäußert. Vielleicht ließe sich darüber ein spezieller Dachschaden reparieren, von dem immer mehr Angehörige dieser Gattung befallen.“

Ónytjungur: „Von welchem Dachschaden redest du?“

Tivera: „Stell dir eine Promenadenmischung vor. Was würdest du sagen, wenn eine Promenadenmischung auf die Idee käme, sie sei eine ganz besondere Sorte, und gar keine Promenadenmischung, daher erhaltenswert wäre, sich abgrenzen müsse, koste es auch was es wolle, da sie keine Promenadenmischung werden wolle.“

Ónytjungur: „Dass diese Kreatur an einem erheblichen Dachschaden leidet. Was war die Promenadenmischung denn vorher, als sie noch keine Promenadenmischung war. Diese Kreatur hat vergessen, dass sie vorher nichts anderes war, als sie heute ist: ein Hund.“

Tivera: „Nun wäre anzumerken, dass ich nicht von der Gattung Hund spreche, sondern von einer anderen Gattung. Es leiden dort auch bei weitem noch nicht alle an solch einem Wahn, obschon festzustellen ist, dass der Anteil der davon Befallenen merklich zugenommen hat. Es ist davon zu hören, dass speziell solche davon befallen, die vor vielen Jahren aus Afrika einwanderten, die Wissenschaft hat da sieben Mütter ermittelt, und sich in Folge nun etwas darauf einbilden, etwas Besonderes zu sein, da sie mangels ausreichender Sonne mit der Zeit Farbstoffe verloren haben.“

Ónytjungur: „Nun, es reagieren nicht alle gleich auf mangelnde Sonnenbestrahlung der Haut. Vielleicht sollten die Befallenen mehr Fettfische essen. Hier essen sie Fettfische, wie du weißt, und mir ist hier noch keiner begegnet, der vom Wahn befallen wurde, er sei eine ganz besondere Sorte, und keine Promenadenmischung, er sich daher abgrenzen müsse, um keine Promenadenmischung zu werden, da er vergessen hat, dass er schon längst eine ist.“

Einsicht-und-Sinn
„Sinn“ und „Einsicht“

Tivera: „Und gäbe es hier einen solchen Trottel, so scheiterte er an der Tatsache, dass ihm hier das Vokabular nur „við“ anböte, also nur ein wir beide, was nur bei einem Dialog sinnvoll, und für obskure kollektive Vereinnahmung zum Zwecke kollektiver Ausgrenzung völlig untauglich.“

Ónytjungur: „Was sinnvoll ist. Denn nur in diesem Rahmen gilt, dass einer sowohl erschaffen wird, während er redet, als auch schafft, während er redet. Alles andere beschleunigt ja nur den exponentiellen Verlauf von Texten, die einer Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Haben die dort keine Dichter, so wie bei uns hier? Ich habe davon gehört, dass sich die Kreaturen, von denen du sprachst, sich nun auch noch für gebildet halten, nur weil ihnen irgendeiner bestätigte, sie hätten studiert, und sich daher nun für Real-Philosophen halten, als Gegensatz zu Abstraktions-Philosophen.“

Tivera: „Übersehen solche nicht, dass im Falle, sie sagen, es gebe eine theoretische und eine reale Philosophie, es nur so ist, als hätten sie gesagt, Philosophie ist das, was ich unter Philosophie verstehe, und nichts anderes?

Bothius-Übersetzung-Essenz-und-SubstratÓnytjungur: „Du weißt ja: Aus einem Buch kann kein Philosoph herausschauen, wenn ein Affe hineinschaut. Womit zu sagen wäre: Angenommen, dass alles, was wir beide bisher gesagt haben, nicht davon überzeugt, ein logischer Beweis zu sein, dann ist es nur fair zu sagen, dass die Frage eine ist, in der wir uns einig darin sind, uns unterscheiden zu müssen.“

Tivera: „Du bist aber heute wieder sehr unhöflich.“

Ónytjungur: „Der Unterschied zwischen höflichen und freundlichen Wesen ist, dass freundliche Wesen niemals höflich sind, und höfliche Wesen niemals freundlich.“

Tivera: „Denn sind sie freundlich, brauchen sie nicht höflich sein, und sind sie unfreundlich, beinhaltet höflich ohnehin nur eine faustdicke Lüge.“

Ónytjungur: „Sie soll Zeichen für Respekt und Anstand sein, so ist zu lesen.“

Der Affe, der ein Pferd war

troll-imadeWEB-1Ónytjungur: „Es lasst sich immer weniger verhindern, auf meinen Reisen einer Gattung zu begegnen, die dadurch gekennzeichnet ist, dass sie im Verlauf der Evolution die Fähigkeit zur Bildverarbeitung derart massiv verlor, dass sie noch nicht mal mehr in der Lage ist, Gattungen voneinander unterscheiden zu können.“

Tilvera: „Hat die Population der Maulwürfe derart zugenommen?“

Ónytjungur: „Der Gedanke ist nahe liegend, da deren Blindheit dazu führte, dass sie aggressiv auf Artgenossen reagieren. Allerdings hast du vergessen, dass diese sich nur unter der Erde aufhalten, ich daher ihnen gar nicht begegnen könne, es sei denn, ich würde reisen, indem ich Gänge …“

Tilvera: „Was du nicht tust, ich weiß.“

Ónytjungur: „Zudem verfügen diese über einen funktionierenden Geruchs- und Tastsinn, der sie in die Lage versetzt, Gattungen in hinreichendem Maße voneinander unterscheiden zu können, so dass sie jene Gattungen, denen sie als Nahrung dienen, rechtzeitig von jenen Gattungen unterscheiden könnten, die ihnen als Nahrung dienen. Nein, die Rede ist von der Gattung der …“

Tilvera: „Demnach bliebe aber nur eine solche Spezies übrig, deren im Verlauf der Evolution verloren gegangene Fähigkeit zur Bildverarbeitung dazu führte, nicht jene Gattungen, denen sie als Nahrung dienen, rechtzeitig von jenen Gattungen unterscheiden zu können, die ihnen als Nahrung dienen.“

Ónytjungur: „Auch der Gedanke ist naheliegend. Allerdings hast du hier vergessen, dass es in diesem Fall diese Spezies gar nicht mehr geben könne, da sie deswegen schon längst ausgestorben wäre.“

Tilvera: „Dann kann es jene Gattung, von der du eingangs sprachst, nicht geben. Du willst mich zum Narren halten.“

Ónytjungur: „Keineswegs. Du weißt, was mit Bildverarbeitung bezeichnet wird?“

Tilvera: „Die Fähigkeit, eine gegenständliche Vorstellung darüber entwickeln zu können, was da ist.“

Ónytjungur: „So ist es. Das rationale Begreifen, also jene Fähigkeit jedes Lebewesens, das jemals geboren wurde, kümmerte sich darum, dass die Fähigkeit zum vorstellenden Begreifen ermöglicht wird. Denn dieses war notwendig, da im anderen Falle jedes Lebewesen nach der Geburt gar nicht in der Lage gewesen wäre, auch nur irgendeine Nahrung als solche erkennen zu können, da erst die Wahrnehmung eines Gegenstands diese erst ermöglicht, auf welche Weise auch immer. Zum Beispiel einen Apfel als Apfel erkennen zu können, oder Wasser als Wasser, oder – beim Maulwurf – ein Insekt als Insekt. Denn falls nicht so, hätte das dazu geführt, dass noch nicht einmal die Grundvoraussetzung jemals existiert hätte, da dann ja auch Vater und Mutter gar nicht hätten sein können, sowie deren Eltern davor, und deren … soll ich fortfahren, denn das könnte nun etwas dauern?

Tilvera: „Schon gut, schon gut, ich kenne mich da aus.“

Ónytjungur: „Das rationale Begreifen, also jene Fähigkeit jedes Lebewesens, das jemals geboren wurde, kümmerte sich also vor jeder Geburt um die Herstellung einer eindeutigen Handlungsvorschrift zur Lösung eines Problems, hier die Dekomposition dessen, was da ist, in seine Sinus- und Kosinus-Komponenten, dergestalt, dass das Ergebnis der Transformation genau so das Bild repräsentiert, dass es äquivalent ist zu dem, was da im Raum ist, was erst eine Bildanalyse ermögliche.“

Tilvera: „Nun, da ich davon ausgehe, dass ich einen Apfel als Apfel erkenne, oder Wasser als Wasser, oder ein Insekt als Insekt, und dies bisher zu dem gewünschten Erfolg führte, …“

Ónytjungur: „Schön und gut. Nun ist davon zu lesen, dass an allen Ecken und Enden auf der nördlichen Hälfte der Erdkugel Kameras installiert wurden.“

Tilvera: „Sie sind beim besten Willen nicht zu übersehen.“

Ónytjungur: „Verhält es sich nicht so, dass sich darüber auch Gattungen unterscheiden ließen?“

Tilvera: „Mehr als das.“

Ónytjungur: „Was wäre nun, wenn eine Kamera in einem Raum zum Beispiel nach Pferden Ausschau halte, diese aus dem Raum extrahiere, und dem Betrachter präsentiere, sich im Raum fünf Exemplare der Gattung Pferd aufhielten, das Gerät jedoch auf drei Pferde und zwei Affen erkenne?“

Tilvera: „Dann würde der Betrachter nur drei Pferde sehen statt der fünf. Die Kamera verfügt demnach nicht über die Fähigkeit zur Bildverarbeitung, da sie noch nicht mal mehr in der Lage ist, Gattungen voneinander unterscheiden zu können. In diesem Falle erkennt sie auf zwei verschiedene, wo nur eine vorhanden. Die Kamera ist zu nichts nütze, es sei denn, sie würde repariert werden.“

Ónytjungur: „Nun, die Systemanalyse ergab, dass die Handlungsvorschrift der Kamera so ausgearbeitet war, dass sie die Interpretation unzulässig auf ein ganz spezifisches Merkmal reduzierte, welches alle anderen vorhandenen Merkmale negierte, also aufhob, und sich danach ausrichtete.“

Tilvera: „Was dazu führte, dass aus einer Gattung zwei Gattungen wurden, also aus fünf Pferden drei Pferde und zwei Affen.“

Ónytjungur: „Der verantwortliche Entwickler rechtfertigte sich, dass dieses ganz spezifische Merkmal signifikant sei für die Gattung der Pferde, daher alle weiteren Merkmale entbehrlich waren, da anhand dieses Merkmals bereits durch „vorhanden/nicht vorhanden“ möglich war, all jene zu identifizieren, für die „nicht vorhanden“ festgestellt wurde, was die Handlungsvorschrift wesentlich vereinfacht hätte.

Tilvera: „Ein fataler Irrtum eines wahren Stümpers. Esel bleibt Esel, auch wenn er eine Melone frisst. Die Reduzierung auf jedes x-beliebige spezifische Merkmal negiert stets alle anderen vorhandenen Merkmale, hebt sie somit auf, so dass in all diesen Fällen, für welches Merkmal er sich auch immer entschieden hätte, dort zwingend auf unterschiedliche Gattungen geschlossen werden müsse, wo mindestens ein Exemplar dieses willkürlich gewählte Merkmal nicht aufweise.“

Ónytjungur: „Und wenn er als spezifisches Merkmal „vier Beine“ wählt, was alle anderen vorhandenen Merkmale negiere, also aufhebe?“

Tilvera: „Dann hätte er Elefanten als Pferde interpretiert, wären dort einmal Elefanten vorbeigekommen.“

Ónytjungur: „Ist dir bekannt, dass dem rationalen Begreifen schon jemals bei irgendeinem Lebewesen der Fehler unterlaufen wäre, in diesem eine Fähigkeit zum vorstellenden Begreifen herzustellen, die dazu führt, dass dieser unfähig ist, die Gattung Elefant von der Gattung Pferd zu unterscheiden?“

Tilvera: „Meiner Kenntnis nach nicht.“

Ónytjungur: „Ist dir bekannt, dass dem rationalen Begreifen schon jemals bei irgendeinem Lebewesen der Fehler unterlaufen wäre, in diesem eine Fähigkeit zum vorstellenden Begreifen herzustellen, die dazu führt, dass die Reduzierung auf ein x-beliebiges Merkmal alle anderen vorhandenen Merkmale negiert, also aufhebt?“

Tilvera: „Auch dies ist mir nicht bekannt. Denn wie wir wissen, führt dies zwingend dazu, dass dann eine Gattung als zwei Gattungen wahrgenommen werden würde, und dies unabhängig davon, welches Merkmal dazu herangezogen.“

Ónytjungur: „Demnach ist weder rationales noch vorstellendes Begreifen daran  beteiligt?“

Tilvera: „Weder, noch.“

Ónytjungur: „Und jede Reduzierung auf ein x-beliebiges Merkmal, das alle anderen vorhandenen Merkmale negiere, also aufhebe, führt zwingend dazu, dass eine Gattung als zwei Gattungen wahrgenommen werden würde?“

Tilvera: „Zweifellos, denn alle anderen Merkmale wären null und nichtig.“

Ónytjungur: „Auch wenn dieses ausgewählte Merkmale „Rasse“, Religion, oder die Mitgliedschaft in einem Automobilklub wäre?“

Tilvera: „Es änderte sich dadurch nichts. Was ist „Rasse“?

Ónytjungur: „Das, womit es jeweils besetzt wird, ganz nach Gusto. Einmal sind es Domherren, Kapläne und Kleriker, beziehungsweise solche, die dies nicht werden dürfen. Nachdem religiöse Gewissheiten zugunsten eines materialistischen-naturwissenschaftlichen Weltbildes in Frage gestellt werden, das Produkt großer Aufklärer in ihrem Bestreben, die Welt „logisch“ ordnen und klassifizieren zu müssen. Also irgendein x-beliebiger ideologischer Zusammenhang.“

NSDAPvsAfD
Die Wiedergeburt

Tilvera: „Wird darüber nicht Vorwand als Beweggrund ausgegeben?“

Ónytjungur: „Und wem nützte dieses Wissen? Sind doch die davon Befallenen der festen Überzeugung, dass dem nicht so sei.“

Tilvera: „Dann müsste es solchen doch wenigstens mal gesagt werden.“

Ónytjungur: „Du neigst zu Träumen. Denn das wäre denen bereits viel zu komplex. Zudem, zeigt nicht die Erfahrung, dass es Eigenschaft dieser Wesen ist, nur jenen Gockel zu hören, der am lautesten kräht? Und worauf kräht dieser bekanntlich?“

Tilvera: „Auf einem Misthaufen.“

Die wissenschaftsbasierte Informationsgesellschaft

troll-imadeWEB-1Tilvera: „Es gibt in der Demokratie keine Ohnmacht. Die menschliche Macht kann von Menschen gebrochen werden, durch den Aufstand des Gewissens, durch die Zivilgesellschaft.“

Ónytjungur: „Will der Mensch nichts sagen, bedient er sich nichtssagender Begriffe. Und da kennzeichnendes Merkmal von Gesellschaften deren Vorliebe für Geschwätz ist …“

Tilvera: „Ich habe keine nichtssagenden Begriffe verwendet.“

Ónytjungur: „Interessant. Und was habe ich mir beim Gebrauch der Worte Demokratie, Gewissen und Zivilgesellschaft vorzustellen?“

Tilvera: „Demokratie ist die Herrschaft des Volkes, Zivilgesellschaft ist die wissenschaftsbasierte Informationsgesellschaft, und das Gewissen wird als eine besondere Instanz im menschlichen Bewusstsein angesehen, die bestimmt, wie man urteilen solle.“

Ónytjungur: „Und du glaubst, deine Aussage wird besser, indem du weitere nichtssagende Begriffe hinzufügst? Und ist Gewissen nicht das Gefühl der inneren Ruhe oder Unruhe, das in das Bewusstsein tritt, wenn eine vorgehabte, begangene oder unterlassene Tat im Einklang oder Widerspruch zu einem moralischen Grundsatz steht, der für denjenigen verbindlich ist?“

Tilvera: „Ich hatte immer noch keine nichtssagenden Begriffe verwendet.“

Ónytjungur: „Interessant. Und was habe ich mir beim Gebrauch der Worte wissenschaftsbasierte Informationsgesellschaft und menschlichem Bewusstsein vorzustellen?“

Tilvera: „Natürlich die westliche Zivilgesellschaft.“

Ónytjungur: „Dir ist aufgefallen, dass du dich nun im Kreis bewegst?“

Tilvera: „Weil ich Synonyme verwende?“

Ónytjungur: „Keineswegs. Weil du Behauptung mit Wirklichkeit verwechselst.“

Tilvera: „Und was wäre deiner Ansicht nach dann Wirklichkeit?“

Ónytjungur: „Nun, Wirklichkeit wäre zum Beispiel der Satz von Albert Einstein, dass Wissenschaft ohne Religion lahm ist, und Religion ohne Wissenschaft blind.“

Tilvera: „Und was wäre deiner Ansicht nach dann Behauptung?“

Ónytjungur: „Dass es sich bei der westlichen Zivilgesellschaft um eine wissenschaftsbasierte Informationsgesellschaft handle.“

Tilvera: „Du erzählst mir, dass deine Intelligenz sich noch nicht derart umfangreich entwickelt habe, um den Zusammenhang zwischen der Aussage eines Wissenschaftlers und den Aussagen einer wissenschaftsbasierten Informationsgesellschaft herzustellen?“

Ónytjungur: „In der Tat. Denn eben jene wissenschaftsbasierte Informationsgesellschaft war und ist es, die nicht nur gegen den Willen dieses Wissenschaftlers nukleare Bomben herstellt, vorhält und einsetzt, sondern es darüber hinaus auch noch als völlig normal und legal ansieht, dass sie selbst und jeder andere Mensch auf der Welt von ein paar Scharlatanen jederzeit umgebracht werden dürfe, wann immer es jenen gefiele, und zwar in einem solchen Umfang und Ausmaß, dass diesem gegenüber die Grausamkeiten der Barbaren des Altertums nur jämmerliche Fingerübungen waren. Sofern ich mich recht erinnere, nennen sie es evolutionären Humanismus, an dem die Menschheit genese.“

Tilvera: „Was kein Schaden ist, denn wie ich eingangs schon sagte, gibt es in der Demokratie keine Ohnmacht, da die menschliche Macht von Menschen gebrochen werden könne, durch den Aufstand des Gewissens, durch die Zivilgesellschaft.“

Ónytjungur: „Ist es nicht so, dass der Mensch immer erst genau dann auf eine theoretisch bestehende Möglichkeit hinweist, nachdem er erfolgreich zum Ideologen degenerierte?“

Tilvera: „Du willst abstreiten, dass menschliche Macht von Menschen gebrochen wurde?“

Ónytjungur: „Wo denkst du hin. Aber zu verbreiten, das auslösende Motiv wäre jemals der Aufstand des Gewissens einer Zivilgesellschaft gewesen, dazu bedarf es erst der Fähigkeit, ein Ideologe sein zu können.“

Tilvera: „Und was ist deiner Ansicht nach ein Ideologe?“

Ónytjungur: „Im neutralen Sinne handelt es sich bei einem Ideologen um einen Dummkopf, der das durch eine Schießscharte Dargebotene für eine wichtige Weltanschauung hält.“

Tilvera: „Du vergisst den vorhandenen Intellekt.“

Ónytjungur: „Eben nicht. Denn Intellekt und Wir-Gefühl sind disjunkte Konzepte. Gemeinsam ist beiden, dass ihnen die Abwesenheit des jeweils anderen notwendig.“

Tilvera: „Demokratien werden erst durch Zusammenwirken von Wir-Gefühl und Intellekt möglich.“

HalbierterBaum
In wissenschaftsbasierten Informationsgesellschaften endet Arete spätestens bei einem überhängenden Ast

Ónytjungur: „Nun, das erklärte, aus welchem Grund es in der westlichen Zivilisation sogar nach mehr als zweitausend Jahren immer noch keine einzige Demokratie gibt.“

Tilvera: „Und um welche Gebilde handelte es sich dann deiner Ansicht nach?“

Ónytjungur: „Folge ich wieder dem Wissenschaftler, in diesem Falle dem Stagiriten, der den Begriff Demokratie einführte, dann ist mit dem Wort Demokratie die Herrschaft jener bezeichnet, die von Arete geleitet werden, also von Tapferkeit, Großzügigkeit, Freigebigkeit, Gerechtigkeit und Besonnenheit. Es dürfte auch dir bekannt sein, dass die Grenzen von Tapferkeit, Großzügigkeit, Freigebigkeit, Gerechtigkeit und Besonnenheit keineswegs Landesgrenzen und Grundstücksgrenzen sind, und wirst mir sicherlich hier nicht erzählen wollen, dass unter jenen Gebilden, die du als Demokratien bezeichnest, sich auch nur ein einziges Exemplar befinde, welches sich auf den vom Stagiriten aufgezählten identifizierenden Merkmalen gründe und danach handle.“

Tilvera: „Das nicht, aber was sollten diese Gebilde dann sonst sein?“

Ónytjungur: „Es verhält sich auch hier so wie bei dem Satz von Einstein, und jenem, was die sogenannte wissenschaftsbasierte Informationsgesellschaft in Folge daraus formte. Hier nun ist das Resultat jenes, dass diese Gebilde sich nur deshalb zu gerne als Demokratie ausgeben, um nicht bekennen zu müssen, dass es sich um reine Diktaturen handle. Der Unterschied dieser Gebilde zu einem solchen, das als Diktatur angesehen, zeigt sich einem einzig in der Anzahl der darin agierenden Diktatoren.

Möglicherweise handelt es sich dabei um eine spezielle Form einer anthropologischen Konstanten, die bei wissenschaftsbasierten Informationsgesellschaften auftritt, und die dazu führt, dass der mit Intelligenz ausgestattete Mensch genauso gerne negativ konnotierte Wörter durch positiv konnotierte ersetzt, wie er sich positiv konnotierter Wörter bemächtigt, um durch diese die Wirklichkeit fortgesetzter Schäbigkeit kaschieren zu können. In der erstgenannten Richtung dürfte es wohl unschädlich sein, denn keiner stellte sich bei dem Wort Entsorgungspark etwas anderes vor als eine Mülldeponie. Geschieht solches aber in umgekehrter Richtung, wird es jedoch gefährlich, denn als Ergebnis wäre darüber erzwungen, dass vergessen wird, was mit dem Wort Demokratie  bezeichnet.“

Tilvera: „Das würde bedeuten, dass einer Diktatur nur Demokratie zu nennen brauche, da dies dazu führe, dass keinem mehr möglich sei zu erkennen, was Demokratie ist.“

Ónytjungur: „Dem Diktator ist seine Diktatur stets eine Herrschaft des Volkes.“

Tilvera: „Du vergisst das Wir-Gefühl.“

Ónytjungur: „Du meinst jenes Gebaren, welches darauf ausgerichtet ist, die Leute dazu zu konditionieren, dass sie einen unterstützen? Führt dies am Ende nicht zur Entstehung von so etwas wie einer gesellschaftlichen Gruppe, die das Stammesverhalten verstärkt, aber das Wissen verdummt?“

Tilvera: „Es gibt Schlimmeres.“

Ónytjungur: „Und aus welchem Grund heraus erinnert mich dieses  Argument an das Argument jenes Jungen, der darauf bestand, dass an ihm die Welt zu genesen habe, denn immerhin habe er den Klassenkameraden nur bestohlen, und ihn nicht auch noch verprügelt wie der andere?“

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